Oben und unten

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Ich war Diener im Hause Hobbs

Verena Rossbacher

erschienen am 16.08.2018 im Verlag Kiepenheuer & Witsch

ISBN 978-3-462-04826-1

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Ich stelle fest, dass Kiepenheuer & Witsch sich immer mehr zu einem meiner liebsten Verlage entwickelt. Und mit „Ich war Diener im Hause Hobbs“ haben sie meiner Meinung nach einen der besten Romane des Jahres herausgebracht.
Der Diener Christian erinnert sich an seine Zeit bei den Hobbs, einer Zürcher Anwaltsfamilie. Frisch aus der Ausbildung wird er dorthin engagiert und scheint auch zunächst einen Glückstreffer gelandet zu haben. Frau Hobbs ist überaus charmant und nett, ihr Mann meist aushäusig und die Kinder wohlerzogen. Alles läßt sich gut an, bis sich Privates mit Beruflichem mischt und Christians Weltbild langsam ins Rutschen gerät…
Wenn man von einem Diener oder Butler hört, dann hat man automatisch Downton Abbey-ähnliche Bilder vor Augen. Reiche Lords und Ladies, massig Personal und riesige Herrensitze. Vor allem aber denkt man dabei eher an vergangene Zeiten. Dabei gibt es den Beruf des Dieners natürlich auch heute noch, genauso wie es auch heute noch Menschen gibt, die einen Diener engagieren. Obwohl mir das selbstverständlich klar ist, bin ich doch immer wieder über die Stellen gestolpert, die zeigen, dass Christian ein Mensch der heutigen Zeit ist. So sehr ist der Beruf des Dieners ritualisiert, aber so sehr möchte Christian auch den Traditionen entsprechen. Dabei kommt er natürlich nicht aus dem luftleeren Raum: er hat Eltern, Freunde, eine Heimatstadt. Die legt er aber ab, sobald er seine Uniform anlegt. Als Diener ist er nicht privat. Er hört Musik, die seiner Herrschaft gefallen könnte, liest Bücher, über die er befragt werden könnte, scannt seine Umwelt sozusagen mit den Augen der Hobbs. Souverän und Herr der Lage zu sein ist sein größter Wunsch, daher gerät auch seine Welt ins Wanken, als Frau Hobbs per Zufall in sein Privatleben vordringt.
Stück für Stück enthüllt Verena Rossbacher die Tragödie, die sich im Hause Hobbs ereignet hat. Stück für Stück erfahren wir mehr über Christian und dadurch auch mehr über die Hobbs. Denn ein Diener hat tiefen Einblick in die Abläufe in einer Familie, mehr Einblick, als er bisweilen selbst realisiert. Nichts ist an diesem Roman unüberlegt. Jede Handlung, jede Bewegung, jede Person, jedes Wort wirkt genauestens durchdacht, passt perfekt in das große Ganze. Selten habe ich einen so hervorragend durchkomponierten Roman gelesen, der dabei auch noch spannend ist und tagelang im Kopf nachwirkt. Immer wieder habe ich mich dabei ertappt, über das Gelesene nachzudenken, sogar noch mehrere Bücher später. Ein Roman, der eben nicht den Klischees zu Personal in großen Häusern entspricht und sogar gekonnt damit spielt, eine Autorin, die etwas wagt und dem Leser auch schwer Verdauliches zutraut und eine Geschichte, die herausragend zeigt, das nichts wirklich so ist, wie es zu sein scheint.

Weitere Rezensionen zu diesem Roman:

LiteraturZeit https://lifeforliterature.wordpress.com/2018/10/28/verena-rossbacher-ich-war-diener-im-hause-hobbs/
Meine Bücherbar https://buecherbar.wordpress.com/2018/10/11/ich-war-diener-im-hause-hobbs/
Literaturgeflüster https://literaturgefluester.wordpress.com/2018/11/08/ich-war-diener-des-hauses-hobbes/
nachtundtag https://nachtundtag.blog/2018/09/08/sex-luegen-und-champagner-agieren-im-menschlichen-chaos/

„De Welt geiht ünner.“

Mittagsstunde von Doerte Hansen

Mittagsstunde

Dörte Hansen

erschienen am 15.10.2018 im Penguin Verlag

ISBN 978-3-328-60003-9

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„De Welt geiht ünner.“ Diese Botschaft trägt Marret Feddersen, genannt Marret Ünnergang, durch das Dorf. Brinkebüll ist ein typisches nordfriesisches Dorf, wo seit Generationen alles seinen gewohnten Lauf nimmt und jeder jeden kennt. Doch mit der Flurbereinigung in den sechziger Jahren beginnen die Veränderungen. Die alten Kastanien werden gefällt, die Dorfstraße asphaltiert und verbreitert, Pferde durch Maschinen ersetzt. Und irgendwann kommen die Störche nicht mehr und der Fortschritt überrollt die Menschen.
Ingwer Feddersen ist in Brinkebüll groß geworden, hat studiert und ist dann nach Kiel gezogen. Nun kommt er zurück, um sich um seine Großeltern zu kümmern.
„Mittagsstunde“ ist ein Roman über das Dorfsterben, über fehlenden Nachwuchs, schließende Schulen und Läden, zerfallende Dorfstrukturen. Es ist aber auch ein Roman über Zusammenhalt, Mitmenschlichkeit und Fürsorge.
Mit den Dorfgemeinschaften verschwindet eine ganze Welt. Traditionen werden bedeutungslos, Wissen über das Land und seine Besonderheiten geht verloren, die Kinder sollen hochdeutsch sprechen. Das ist der Fortschritt und der Fortschritt kommt von außen. Während der Flurbereinigung wird die alte Felderstückelung aufgelöst, die Knicks niedergebaggert, der Weg frei gemacht für Großmaschinen. Wer nicht mitspielt geht unter. Ein Bauer nach dem anderen gibt auf, bis nur noch ein paar Großbauern überlebt haben. Das zieht natürlich Konsequenzen nach sich. Höfe stehen leer und verfallen oder werden von Fremden bezogen, indes nicht mehr bewirtschaftet. Die bringen ihre Kinder aber nicht zur Dorfschule und kaufen auch lieber in den Supermärkten außerhalb ein. Und ja, auch das verbesserte Bildungsangebot beschleunigt das Dorfsterben. Der Nachwuchs zieht in die Welt hinaus, das Dorf ist ihnen zu klein und eng, nur die Alten bleiben zurück.
Wer nun aber denkt, Dörte Hansen hätte ein düsteres und hoffnungsloses Buch über alte Zeiten geschrieben, der irrt. Warm und ein bisschen wehmütig erzählt sie von den vergangenen Zeiten, zeigt aber auch, wie sehr die Dorfgemeinschaften unser heutiges Heimatbedürfnis ansprechen. Feinfühlig wechselt sie zwischen Gestern und Heute, porträtiert gekonnt Land und Leute. Ihre Charaktere sind das Besondere, jeder Einzelne ist einzigartig und so voller Leben, dass es nur schwer vorstellbar ist, dass Brinkebüll und seine Bewohner fiktiv sind, Erfindungen einer Autorin. „Mittagsstunde“zählt für mich definitiv zu den wunderbarsten Neuerscheinungen dieses Jahres. Es ist warmherzig, humorvoll, nachdenklich und lebensnah und ich habe jede Sekunde Lesezeit geliebt.
Ein bißchen Angst hat es mir aber doch auch gemacht. Wir hoffen demnächst in ein reales Brinkebüll zu ziehen, einen Neunhundert-Seelen-Ort direkt an der Nordseeküste. Und werden dort sicherlich erstmal die Zugezogenen sein, die Fremden, die einen der alten Höfe gekauft haben. Aber eines ist sicher: „moin“ sagen, das können wir immer und in jedem Fall. Das hätten wir sogar vor der Lektüre dieses Romans gekonnt. Und irgendwie macht mir das dann wieder Hoffnung.

Ich danke dem Penguin Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

 

 

 

 

 

Martha Gellhorn

9783351037451

Hemingway und ich

Paula McLain

Aus dem Englischen von Yasemin Dinçer

am 05.10.2018 erschienen im Aufbau Verlag

ISBN 978-3-351-03745-1

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Derzeit ist mein Leseglück doch recht wechselhaft. Ein paar der letzten Romane, auf deren Erscheinungsdatum ich mich gefreut hatte, entsprechen leider so gar nicht meinen Erwartungen. Dazu zählt auch dieser Roman.
Nun, was habe ich hier erwartet? Paula McLain baut ihre Bücher immer gleich auf: sie sucht sich eine interessante, ungewöhnliche Frau und erzählt ihr Leben in einer Mischung aus Fakten und Fiktion. Bei Ernest Hemingways erster Frau Hadley ist ihr das meiner Meinung nach recht gut gelungen, zumindest habe ich gute Erinnerungen an dieses schon vor längerer Zeit gelesene Buch. Daher war ich durchaus glücklich, als ich gesehen habe, dass sie sich nun auch Martha Gellhorns angenommen hat, Hemingways dritter Frau.
Martha Gellhorn war eine der ersten weiblichen Kriegsberichterstatterinnen, immer mitten im Geschehen und der Gefahrenzone. Sie war ihrer Zeit in vielen Punkten voraus, emanzipiert, eigenständig und auf Augenhöhe mit ihren männlichen Kollegen. Die kurze Ehe mit Hemingway war eher eine Fußnote in ihrem Leben, ein Irrtum in jungen Jahren und wohl auch eine wenig glückliche Zeit insgesamt.
Sie lernt den deutlich älteren Hemingway per Zufall in einem Familienurlaub kennen und folgt ihm 1937 an die spanische Front. Dort werden die beiden ein Liebespaar. Hemingway bewundert die durchsetzungsfähige, selbstbewusste Martha. Nach dem Krieg lassen sie sich auf Kuba nieder und heiraten zügig nach Hemingways Scheidung. Doch das, was früher Bewunderung auslöste, sorgt nun für Probleme. Martha arbeitet weiterhin an einer eigenen Karriere, will nicht nur Mrs Hemingway sein.
Eigentlich ein Selbstgänger: zwei hochinteressante Protagonisten, eine Ehe mit allen Höhen und Tiefen und das in einer Zeit, in der die ganze Welt brennt. McLain dagegen gelingt es fast durchgängig, gepflegte Langeweile mit pathetischem Geschwafel zu verbinden. Nur an wenigen Stellen hatte ich das Gefühl, sie habe sich Gellhorn annähern können. Bei McLain wirkt sie wie eine risikosüchtige verwöhnte High Society-Schönheit, die per Zufall zu ihren Erfolgen kommt. Man kommt Martha als Leser nicht näher, sie bleibt kühl und unnahbar. Nun war sie ja auch keine einfache Persönlichkeit und vielleicht war der Aufbau des Romans mit Gellhorn selbst als Erzählstimme unklug gewählt. Für die hochintelligente Frau, die sie ja war, wirkt sie so nämlich reichlich naiv und unbedarft. In die Beziehung mit Hemingway rutscht sie quasi unvorbereitet und selbst überrascht hinein, der Großteil des Romans besteht aus Gejammer über ihre Schreibblockade und -probleme. Das wird dieser großartigen, aber wohl zu sich und anderen knallharten Frau wirklich nicht gerecht.
Der Roman ist mir, mit einem Wort gesagt, zu seicht. Das ist äußerst schade, wenn man das verschenkte Potential bedenkt.

Ich danke dem Aufbau Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

 

Wenn der Teufel regiert

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Kind ohne Namen

Christoph Poschenrieder

am 24.10.2018 als tb erschienen im Diogenes Verlag

ISBN 978-3-257-24448-9

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Ich habe den Herrn Poschenrieder aus den Augen verloren. Ich weiß gar nicht warum, denn sein Debüt „Die Welt ist im Kopf“ hat mich damals wirklich sehr begeistert. Dafür weiß ich nun, dass mir das ganz bestimmt nicht noch einmal passiert, denn auch der Roman „Kind ohne Namen“ hat mich in weiten Teilen überzeugt.
Die Literaturstudentin Xenia kommt zurück in ihr Heimatdorf, zu ihrer Mutter, der ehemaligen Bürgermeisterin, die sich immer noch für Dorf und Dörfler verantwortlich fühlt, und ihrem Bruder, dessen rechtsextreme Meinungen sie nur schwer erträgt. Der Grund für ihre Rückkehr ist eine uneheliche Schwangerschaft, die aber noch nicht sichtbar ist und von der auch noch niemand weiß.
Großes Dorfthema sind die Flüchtlinge, die in der ehemaligen Schule untergebracht werden. Xenia und ihre Mutter heißen sie willkommen, der Rest des Dorfes pöbelt dagegen oder hält sich bedeckt. Ausschreitungen werden nur durch den „Burgherren“ verhindert, der tatsächlich in einer Burg wohnt, die über dem Dorf thront. Beobachtet vom Verfassungsschutz unterhält er heimlich paramilitärische Truppen, lässt sich wenig in die Karten gucken, hat aber scheinbar nahezu alle Dorfbewohner im Griff. Als Preis für seine Hilfe verlangt er das nächste neugeborene ungetaufte Kind…

Was zunächst wie eine literarische Bearbeitung des Flüchtlingsthemas wirkt, entwickelt bald schon märchenhafte Züge. Poschenrieder hat Motive einer Novelle von Jeremias Gotthelf aus dem Jahre 1842 eingebaut: „Die schwarze Spinne“. Dort verlangt der Teufel für eine Hilfeleistung ebenfalls ein ungetauftes Baby und als ihm dieses mehrfach verweigert wird, überschwemmt eine Flut giftiger schwarzer Spinnen das Dorf.
Mit dieser Verknüpfung hat der Autor es sich nicht leicht gemacht. Es hilft bei der Lektüre, die Novelle gelesen zu haben oder wenigstens ihren Inhalt zu kennen, um die fein ausgearbeiteten Parallelen würdigen zu können. Der Text funktioniert auch komplett ohne Vorkenntnisse, aber die Abfolge der Ereignisse wird logischer mit ein wenig Vorwissen.
Damit ist der Roman indessen zum einen hochaktuell, weil er die Flüchtlingsunterbringung in deutschen Gemeinden und die Reaktion darauf klug analysiert und zum anderen eine literarische Spielerei, weil das aktuelle Geschehen wie eine Folie über die ältere Novelle gelegt wird.
Zum dritten aber ist er ein deutliches Statement gegen Ausländerhass, nationalsozialistisches Gedankengut und andere Teufelsideen, von denen man sich dringend wünscht, dass sie in das Loch zurückkehren, aus dem sie gekommen sind. Sinnbild dafür sind die Spinnen, die plötzlich überall auftauchen und ihr Gift verbreiten.
Mein persönlicher Eindruck ist, dass Poschenrieder mit all dem ein bisschen zuviel für einen einzigen Roman erstrebt hat. Bisweilen ist mir der Text ein wenig zu überladen bzw aufgeladen mit Bedeutung. Das ist aber Jammern auf ganz hohem Niveau. Schlußendlich kann man diesen Roman schon aufgrund seiner Aussage gar nicht oft genug empfehlen und das selbst literarisch Anspruchsvollen, zählt Poschenrieder doch definitiv zur Riege der besten deutschsprachigen Schriftsteller. Also lautet meine Empfehlung: lesen, verschenken, weiter verbreiten und hoffen, dass die Lektüre ein paar Menschen zum Nachdenken und Überdenken festgefahrener Meinungen bringt. Für eine friedvollere Zukunft. (Und eine ohne schwarze Spinnen, bitte.)

Ich danke dem Diogenes Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Weitere Besprechungen:

letteratura https://letteraturablog.wordpress.com/2018/03/04/die-fremde-christoph-poschenrieder-kind-ohne-namen/

Mosaikteilchen

Sofia traegt immer Schwarz von Paolo Cognetti

Sofia trägt immer schwarz

Paolo Cognetti

Aus dem Italienischen von Christiane Burkhardt

erschienen am 24.09.2018 im Penguin Verlag

ISBN 978-3-328-60027-5

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Paolo Cognettis Roman „Acht Berge“ über eine Männerfreundschaft war im letzten Jahr gefühlt eines der meisterwähnten Bücher in den digitalen Medien. Nun bringt der Penguin Verlag seinen 2012 erschienenen, laut Klappentext „vielfach ausgezeichneten“, Debütroman heraus, erstmals auf Deutsch. Warum erst jetzt, fragt man sich, wenn der Roman doch schon vor sechs Jahren eine so gute Aufnahme erfahren hat?
Meine Antwort darauf ist leider die Vermutung, dass man ihn damals, als der Bestsellerautor Cognetti noch der Erstlingsautor Cognetti war, übersehen haben muss oder ihn , oh Frevel, vielleicht gar nicht so spannend fand.
So ging es nämlich mir mit diesem Roman, der sich gar nicht wie einer anfühlt, eher wie eine Kurzgeschichtensammlung, die um das Thema „Sofia Muratore“ kreiselt. Selbige ist erst ein junges Mädchen, später eine junge Frau aus schwierigen Verhältnissen. Unglückliche Mutter, fremdgehender Vater, im Teenageralter versucht Sofia einen Selbstmord, wird nach dessen Mißlingen dann aber lieber Schauspielerin. Verschiedene Stimmen bekommen je ein Kapitel Zeit, eine Façette aus Sofias Leben und Umfeld zu erzählen, dabei springt der Text munter in der Zeit. Jedes Mal ist eine Neuorientierung auf seiten des Lesers erforderlich, näher kommt man Sofias Wesen dabei aber keinen Zentimeter. Die junge Frau bleibt, nein, nicht geheimnisvoll, sondern blass, und irgendwo in ihren Dreißigern bricht der Roman dann auch ab. Alternde Frauen sind scheinbar weniger interessant als junge magersüchtige vagabundierende Schönheiten. Vielleicht wollte Cognetti auch nicht schreiben über Altersarmut und Magengeschwüre, Falten und Gesichtsverlust.
Nun ist es nicht so, dass dieser Roman nicht lesenswert wäre, Bestsellerautoren kommen ja im Allgemeinen nicht talentlos daher und schon dieses Debüt zeigt, dass Cognetti mit Worten wunderschöne Bilder erschaffen kann. Und auch, wenn Sofia selbst blass bleibt, treten andere Gestalten in den Vordergrund: ihr Vater oder ihre Tante Marta zum Beispiel. Das schönste Kapitel ist für mich das, welches eine Kinderfreundschaft mit dem Sohn eines Arbeitskollegen von Sofias Vater zum Thema hat. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass der Autor sich in „Männerwelten“ wohler fühlt. Sei es nun der Junge, dessen Mutter im Sterben liegt oder Sofias Vater, dessen Fremdgehen mehr Verständnis erfährt als die Probleme der eher als nervig beschriebenen lebensunfähigen Mutter. Und Tante Marta, die Terroristin und Alleinlebende wäre auch als Onkel Eduardo durchgegangen.
Der Hauptgrund aber, weshalb ich mit diesem Roman so gar nicht warm geworden bin, ist ein Gefühl der Beliebigkeit, das sich recht schnell beim Lesen einstellte. Große Worte, schöne Formulierungen, feinsinnige Bilder, unausgesprochene Gefühle, Lug und Trug, Drama, Tragödie, alles vorhanden; kein Zweifel, das hier soll Kunst sein, soll besonders sein, und die dazugehörigen alten Fabrikhallen und der kunstbesessene ältere Liebhaber sind auch an Bord. Kein Klischee, das nicht Aufnahme gefunden hätte in diesem Strom ausgewogener Formulierungen. Nur echtes Gefühl, das habe ich persönlich vergebens gesucht.

Ich danke dem Penguin Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Weitere Besprechungen:
Buchstabenträumerei https://buchstabentraeumerei.wordpress.com/2018/10/16/sofia-traegt-immer-schwarz-von-paolo-cognetti-rezension/

John Cole

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Nach mir die Flut

Sarah Perry

Aus dem Englischen von Eva Bonné

erschienen 2018 im Eichborn Verlag

ISBN 978-3-8479-0651-3

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Nach dem großen Erfolg von Sarah Perrys Roman „Die Schlange von Essex“ im letzten Jahr, veröffentlicht der Eichborn Verlag nun den Debutroman der Britin „Nach mir die Flut“. Schon hier findet sich, was sie in der „Schlange“ zur Vollendung bringt: das Spiel mit Wahrheit und Schein, mit Realität und Mythen.
John Cole, ein ältlicher Buchhändler mit eher farblosem Leben, verirrt sich auf der Fahrt zu seinem Bruder im Wald und findet dort ein verfallenes Herrenhaus, dessen Bewohner auf ihn gewartet zu haben scheinen. Er wird freudig begrüßt und zu seinem Zimmer geführt, spürt aber sogleich die seltsame Atmosphäre, die Haus und Bewohner umgibt.
Für mich war dieser Anfang, dieser Teil, wo man überhaupt noch nicht wusste, in welche Richtung sich das Ganze entwickeln würde, tatsächlich der beste Part des Buches. Die Bewohner des Herrenhauses umgibt ein Geheimnis, die Stimmung ist leicht bedrohlich und sehr schnell fragt der Leser sich, wer oder was diese Bewohner eigentlich sind, was sie zusammen geführt hat und welche Pläne sie mit Cole haben.
Leider löst Perry dieses Geheimnis recht schnell auf, was ein kleines Spannungstief hervorruft, um dann aber ein kammerspielartiges Szenario aufzubauen, das in seiner Dichte und Eleganz beeindruckt. Und bei ihrem Erstling gefällt mir die Personenführung tatsächlich besser als bei der vielgerühmten „Schlange“. Trotz der Risse und Brüche in ihrem Wesen, handeln alle Personen in sich logisch und individuell nachvollziehbar. Die Handlung entwickelt einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte. Aufbau und Sprache ziehen den Leser mitten ins Geschehen, man liest wie unter einer Glasglocke, nach außen abgeschlossen.
Wer sucht, wird sicher Kritikpunkte finden: der Roman behandelt nichts Neues, das düstere Herrenhaus ist ein vielgenutzes Bild, die Abgeschlossenheit Grundidee sämtlicher britischen Krimis, aber das ändert alles nichts daran, dass Sarah Perry erzählen kann. Und auch wenn es in diesem Debutroman holprige Stellen gibt, auch wenn der Spannungsbogen nicht immer gehalten wird, ist nicht zu übersehen, dass die Autorin etwas von Konstruktion versteht. Wie auch von Satzbau: ihre filigranen, eleganten Formulierungen haben mich hier genauso wie bei der „Schlange“ beeindruckt.
Und daher habe ich diesen düsteren, ein wenig unheimlichen, viktorianisch anmutenden Roman wirklich gern gelesen, zumal er „schlanker“ ist als der Nachfolger, nicht so vollgepresst mit Wissen und überladen mit Bedeutung. Ich freue mich wirklich auf weitere Romane dieser Autorin und bin gespannt, wie sich ihr Stil weiterentwickelt.

Ich danke dem Eichborn Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

 

Midwinter Break

getimage

Schnee in Amsterdam

Bernard MacLaverty

Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser

erschienen am 20.September 2018 im C. H. Beck Verlag

ISBN 978-3-406-72700-9

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Stella und Gerry verbringen ein verlängertes Wochenende in Amsterdam. Sie sind ein eingespieltes Paar, beide schon im Ruhestand, der Sohn aus dem Haus. Die Reise ist ein Weihnachtsgeschenk Stellas an ihren Mann, der nicht ahnt, dass sie damit noch anderes bezwecken könnte, als nur ein paar schöne Tage mit Besichtigungen.
Die Ruhe des Erzählens bei Bernard MacLaverty ist trügerisch. Er betrachtet einen Abschnitt aus dem Leben des Paares wie unter dem Mikroskop. Freitag bis Montag –  fast minutiös verfolgen wir den Tagesablauf, die Gespräche, die kleinen Gewohnheiten und Reibereien. Der Leser erfährt wenig über das Davor und nichts über das Danach. Gerry ist Alkoholiker, so viel wird relativ schnell deutlich, und Stella ist damit nicht glücklich, hat dem aber wohl wenig entgegen zu setzen.
Sie machen Besichtigungen und Spaziergänge, gehen in Restaurants, schlafen im Hotel. Es ist nichts Außergewöhnliches an diesem Paar, auf den ersten Blick zumindest nicht. Aber zwischen den Zeilen lauern Risse und Brüche. Stella und Gerry sind von Nordirland nach Schottland gezogen oder doch geflohen, sie haben die Religionskonflikte wohl hautnah erlebt, ihr Leben war scheinbar wenig friedlich.
MacLaverty ist ein Meister der Zwischentöne, der Andeutungen. Nichts liegt hier einfach klar zutage, um alles rankt ein leichter Nebel. Aber Stella und Gerry verhalten sich eben so, wie man das tut, wenn man sich unbeobachtet wähnt. Sie müssen einander nichts erklären und in ihren Gesprächen gibt es Zwischentöne, die nur sie selbst erkennen und verstehen. Der Autor gibt uns Einblick in einen eingegrenzten Zeitraum im Leben der Beiden und lässt uns mit unseren Beobachtungen weitgehend allein.
Ein ständiges „Warum“ war mein Begleiter beim Lesen. Warum macht Gerry dies, warum sagt Stella das, oder auch warum machen oder sagen sie dieses oder jenes nicht. Irgendwann ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass wir in die meisten Leben in unserem Umfeld deutlich weniger Einblick erhalten und trotzdem Urteile fällen. Uns aus wenigen Informationen ein Bild zusammenbasteln, das zu unseren Erfahrungen  passt.
Der Roman hat mich nachdenklich gemacht, die Sprache hat mich begeistert. Trotzdem hat das Buch mich letztendlich nicht völlig überzeugt. Das mag aber daran liegen, dass ich gerne mehr gewusst hätte, dass der kleine Einblick mich irgendwie unbefriedigt zurückliess, dass ich lieber einen Anfang und ein Ende hätte. Dabei ist das Leben ja eher so vage, so fragil, wie hier beschrieben. Wer diese Erkenntnis aushält, der dürfte mit dem Roman sehr glücklich werden.

Ich danke dem C.H. Beck Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Der perfekte Weihnachtskrimi

9783832198640

Ein Mord zu Weihnachten

Francis Duncan

Aus dem Englischen von Barbara Först

erschienen 2017 im DuMont Buchverlag

ISBN 978-3-8321-9864-0

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Ich weiß nicht, wie viele Rezensionen ich schon mit diesem Satz begonnen habe, aber sei’s drum: ich liebe britische Krimis! Eine mehr oder weniger geschlossene Gesellschaft, ein Ermittler, der außergewöhnlich kluge Schlüsse ziehen kann und Lokalkolorit in Form von pittoresken Dörfchen, Herrenhäusern und Tee mit Scones – und schon bin ich glücklich.
In diesem Falle stimmt das Gesamtpaket: ein verschneites Cover, das je nach Lichteinfall geheimnisvoll golden zu schimmern beginnt (ich glaube, ich habe eine halbe Stunde damit verbracht, das Buch verzückt hin und her zu drehen), ein mir bisher nicht bekannter Autor mit hervorragendem Schreibstil (mehr als zwanzig Krimis soll Francis Duncan geschrieben haben, wo zum Henker finde ich die restlichen neunzehn und wieso überhaupt kenne ich den Mann nicht?) und ein logisch aufgebauter Plot, der zum Miträtseln einlädt ( der Vollständigkeit halber gehört die Klammer hier hin, nur Füllung habe ich diesmal keine).
Alle Jahre wieder lädt Benedict Grame, Hobbyweihnachtsmann aus Leidenschaft, eine ausgewählte Gästeschar ein, die Weihnachtstage auf seinem Landgut zu verbringen. Die Mischung besteht im Allgemeinen aus Familienmitgliedern, guten Bekannten und Menschen, die Grame im Laufe des Jahres kennenlernt und als interessant einschätzt. Auf diese Weise erhält auch Mordecai Tremaine eine Einladung, ein älterer Herr, dessen bevorzugtes Vergnügen in der Auflösung von Kriminalfällen besteht. Pünktlich zu Weihnachten liegt dann auch eine Leiche unter dem Tannenbaum und Tremaine ist in seinem Element.
Klassischer kann ein britischer Krimi wirklich nicht sein. Ein älterer, überaus höflicher Ermittler mit beständig rutschendem Kneifer, diverse Hausgäste unterschiedlichen Temperaments ( das junge verliebte Paar, die kalte Göttin, die Diva, der Trinker, das unscheinbare Ehepaar etc), ein Butler (jawoll!), ein Herrenhaus in tiefem Schnee und natürlich ein Mord, der relativ unblutig über die Bühne geht und somit den Leser mit relativ wenig Unbehagen erfüllt. Perfekt, und das meine ich ganz unironisch.
Ungefähr an dieser Stelle erwähne ich, auch schon Tradition meiner Besprechungen klassischer englischer Kriminalromane, Kamin, Wolldecke und Hunde, habe aber festgestellt, dass der Roman auch im Bett wunderbar lesbar ist. Und im Zug. Und beim Bäcker. Sogar im Stehen und ganz ohne Hund.
Und ich wünsche mir nun vom Weihnachtsmann (oder dem DuMont Verlag) die restlichen Romane Herrn Duncans, Goldschimmer bitte mit eingeschlossen.

 

Ein weiterer Lobgesang:

Chrissies bunte Lesecouch https://chrissisbuntelesecouch.wordpress.com/2017/12/17/ein-mord-zu-weihnachten-francis-duncan/

Ein Karl-May-Roman

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Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste

Philipp Schwenke

erschienen 2018 im Verlag Kiepenheuer & Witsch

ISBN 978-3-462-05107-0

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Ein Karl-May-Roman. Ich gebe zu, das klang verlockend. Bin ich doch mit Winnetou und Old Shatterhand einen weiten Weg gegangen. Die ersten Romane Mays las ich in der Grundschule. Ich durfte im Laden nebenan immer zwei Taschenbücher kaufen, eines für mich, eines für meine Mutter. Nach dem Lesen wurde getauscht. Wegen dieser Romane habe ich angefangen, mich mit der Geschichte der Ureinwohner Amerikas zu beschäftigen, was dazu führte, dass ich eine zeitlang im Völkerkundemuseum in Hamburg den Stand eines Bildhauers mitbetreut habe, der dort einen Totempfahl schnitzte, der nun vor dem Museum aufgestellt ist.
Irgendwann in dieser Zeit habe ich auch das Karl-May-Museum in Radebeul besucht. Ich wusste also im Groben, was auf mich zukommen würde. Ich wusste, dass May seine Abenteuer natürlich nicht selbst erlebt hatte; ich wusste, dass er durchaus kein unbescholtener Bürger war und Gefängnisse von innen kannte; ich wusste, dass seine Beschreibungen der Indianer und Beduinen etc höchst fragwürdig waren und sein Erziehungschristentum äußerst unerträglich. Und dennoch…
Dennoch hat Schwenkes Roman mich komplett überrascht. Was als heiterer Schwank beginnt, mit großartigen Bildern, die mich innerlich um eine Verfilmung betteln liessen, endet ganz und gar unlustig. Schwenke erzählt von Mays erster Orientreise. Erzählt von dem behäbigen älteren Herrn, der sich in seinem Ruhm sonnt und dabei jedes Maß verliert, erzählt von der Suche des Schriftstellers nach dem Shatterhand in ihm, erzählt von Betrug, Größenwahn und Nervenzusammenbrüchen, vonn Irrsinn und Wahnsinn, von vermeintlichen Leopardenangriffen und Giftmordversuchen, erzählt schlußendlich von einem armen, nur schwer zu ertragenden Wurm, der von eigener Größe aufgeblasen Freund und Feind nicht erkennt. Schwenke erzählt lang und breit noch dazu, spielt dabei seine eigenen Spielchen mit dem Leser und führt ihn quasi gemeinsam mit May in den Wahn, lässt offen, was Realität, was Einbildung ist und will damit einfach zu viel auf einmal.
Dabei gefällt mir Schwenkes Schreibstil, der dem Mays angeglichen ist, wirklich gut und das Konzept des Romans ist durchaus spannend. Geht es doch um die Änderungen, die diese erste große Reise bei dem Schriftsteller, seinem Leben und seinem Umfeld hervorrufen. Diese Reise führt zu einem Bruch in Mays Leben und Gehirn, einem schwerwiegenden Bruch. Danach zerfällt, was vorher schon auf schwankenden Boden gebaut war. Und die Idee, Mays vermutliche Schizophrenie für den Leser miterlebbar zu gestalten, ist ja auch eigentlich nicht unsinnig.
Aber kurz gesagt: das Buch ist zu dick, zu detailreich, zu überbordend. Irgendwann hat man einfach genug von dem Gejammer und bedeutungsvollen Geschwafel des Möchtegern-Abenteurers. Irgendwann sind die Intrigen, Ausflühte und Machenschaften Mays und seiner Gespielin Klara einfach nur unerträglich. So unerträglich, dass ich froh war, als das Ganze sein Ende fand. Und das kann eigentlich nicht im Sinne des Autors sein.

 

Anstrengend

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Erste Hilfe

Mariana Leky

2018 als Taschenbuch erschienen im Dumont Buchverlag

ISBN 978-3-8321-6458-4

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Der Dumont Verlag nutzt den Erfolg des Romans „Was man von hier aus sehen kann“ , der im letzten Jahr zum „Lieblingsbuch der Unabhängigen Buchhandlungen“ gewählt wurde, und legt ein älteres Werk Mariana Lekys neu auf. „Erste Hilfe“ erschien zuerst 2004 und scheint der erste Roman der Autorin zu sein. Es geht um drei Freunde, Matilda, Sylvester und die Erzählerin. Matilda leidet unter Angststörungen, die anderen beiden versuchen zu helfen und müssen sich zwangsläufig auch mit ihren eigenen Problemen auseinander setzen.
Was man sofort bemerkt, der Erzählton, der in „Was  man von hier aus sehen kann“ für die besondere Stimmung sorgt, diese ruhige und doch irgendwie gleichzeitig wuselige Art des Erzählens, die findet sich auch hier schon. Nur, dass mir hier relativ schnell zuviel davon da ist und ich nach ein paar Seiten schon das erste Mal genervt Luft hole und das Buch beiseite legen muss. Das ist schade, denn die Frage danach, was Freundschaft ausmacht, ist ja durchaus spannend und Mariana Leky ist definitiv feinfühlig genug, um keine 08/15-Ideen zu verarbeiten.

„Weil wir auf einem Bahnsteig stehen, denke ich darüber nach, ob wirklich alles von Sylvester abgegangen ist (…)“

und dann denkt sie darüber nach, ob auch wirklich keine Gefühle an Sylvester hängen geblieben sind und denkt darüber nach, ob Sylvester womöglich auch darüber nachdenkt, ob alles abgegangen oder etwas hängen geblieben ist und nachdem ich diesen Absatz vollständig gelesen habe, beginne auch ich darüber nachzudenken, ob etwas von Sylvester und diesem Buch an mir hängen geblieben sein könnte und da muss ich das Buch, entsetzt ob dieses Gedankens, erstmal zuklappen. Da bin ich aber schon relativ weit und deshalb klappe ich es wieder auf und lese weiter, denn neun Seiten gehen bestimmt noch und dann ertappe ich mich dabei, wie ich beginne diese Seiten zu zählen während des Lesens und auch dabei, dass die Frage, ob es nun Seite 6 oder Seite 7 vor dem Ende ist, mich mehr interessiert als Matilda und Sylvester und die Erzählerin – und dann ist es auch schon vorbei.

Ich muss gestehen, auch bei Lekys Bestseller gab es Stellen, wo mir diese Art zu Schreiben anstrengend zu lesen erschien, aber da haben die Charaktere das wieder wett gemacht. Hier sind auch die Charaktere fürchterlich anstrengend und trotz des vielen Textes irgendwie wortkarg und alle schleppen insgeheim an ihren Päckchen herum und keiner ist dabei, der wie Selma hin und wieder Köpfe zurecht rückt und Pflaster auflegt und „Heile Gänschen“ singt, weshalb das Ganze trotz Freundschaft und Therapie tendenziell trostlos ist. Und ja, vielleicht ist das Leben so, und vielleicht mochte ich das Buch nicht, genau weil das Leben so ist, aber es ist tatsächlich so: ich mochte das Buch nicht. Und deshalb ende ich hier dann auch, denn mehr gibt es nicht dazu zu sagen.

Weitere Besprechungen:

jetztkochtsieauchnoch https://jetztkochtsie.com/2018/09/20/mariana-leky-erste-hilfe/