Leselückenschließung

Herr Lehmann von Sven Regener

Herr Lehmann

Sven Regener

als Taschenbuch 2003 erschienen im Goldmann Verlag

ISBN 3-442-45330-5

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Wenn man Lehmann heißt, dann ist es ja quasi ein Muss dieses Buch zu lesen und darum habe ich es lange nicht gelesen. Wegen der vielen unglaublich witzigen Menschen, die im Dauertakt darauf angespielt haben (Herr Lehmann – Frau Lehmann, haha, Du verstehst, hähä?) noch länger nicht. Außerdem trinke ich kein Bier und mag Hunde. Letzteres wußte ich aus dem Film, den ich mir mit meinem Gatten (Herr Lehmann, hihihoho) irgendwann angesehen und für, nun ja, langweilig befunden habe.
Nachdem das Buch aber tatsächlich im Regal ungelesener Bücher gelandet ist, wie auch immer ihm das gelungen ist, ich habe keine Erinnerung daran, und ich es jahrelang konsequent wieder nach hinten gestellt habe, habe ich mich nun erbarmt. Es leuchtet ja auch ständig in diesem auffälligen „Liesmich“-Rot, das einem ungewollt immer als erstes ins Auge springt, wenn man nach Lektüre suchend die Augen schweifen lässt.

Und ich wurde überrascht, sogar positiv! Bei den ersten Kapiteln ertappte ich mich recht häufig bei haltlosem Kichern, die Mischung aus Handlung und Herrn Lehmanns Gedanken dazu ist wirklich komisch. Wie er so mit geübtem Tunnelblick durchs Leben tappst, das hat etwas. Und die Berliner Kneipenszene scheint sich nicht großartig unterschieden zu haben von der Ruhrpottszene zur selben Zeit, Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger. Einige der Gestalten des Romans hätte man auch in die Hagener „Spinne“ versetzen können, ohne dass sie es gemerkt hätten, den Erwin beispielsweise oder Kristall-Rainer.
Mit der Zeit, also nach den ersten Kapiteln, begann ich allerdings, den Tonfall eher ermüdend zu finden. Irgendetwas passiert, Herr Lehmann reagiert und betrachtet dazu und bemerkt im Allgemeinen gar nicht oder zu spät, was wirklich los ist. Es ist nicht so, dass nichts Relevantes passiert oder die Handlung plätschert oder der Tiefgang fehlt, nein, es ist tatsächlich der Tonfall, der mich zunehmend leise gähnen ließ. Nun muss der aber so sein, weil der Stil des Buches so ist und Herr Lehmann so denkt und das alles wirklich stimmig aufgebaut ist, daher… ist es kein Buch für mich, denke ich. Auch nicht, wenn ich Lehmann heiße und in der Ruhrpottszene groß geworden bin (ohne Bier zu trinken, das mochte ich schon damals nicht. Aber vielleicht ist das der Fehler?) und in der freien Zeit von Kneipe zu Kneipe getingelt bin. Aber ich habe es nun gelesen und für streckenweise ganz witzig  befunden und kann es nun aus dem Regal der ungelesenen Bücher verbannen. Jetzt muss es woanders rot leuchten…