Dreiecksgeschichte

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Das wilde Herz
Andrea De Carlo
Aus dem Italienischen von Petra Kaiser und Maja Pflug
erschienen am 01.April 2019 im Diogenes Verlag
ISBN 978-3-257-30074-1

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Erschienen am 01. April. Im Nachhinein gibt mir das sehr zu denken. Es wäre ein sehr kostspieliger Scherz, dennoch…
Dem Diogenes Verlag kann ich im Großen und Ganzen blind vertrauen. Gut, mein Ausflug in einen Roman Paulo Coelhos war nicht sehr erfolgreich, aber das wird aufgewogen von Dutzenden wunderbarer Bücher.
Was allerdings jemanden dazu bewogen haben mag, diese Schmonzette zu veröffentlichen, um der es in der heutigen Besprechung geht, das vermag ich ganz ehrlich nicht zu erahnen. Es sei denn, es wäre eben doch ein Aprilscherz gewesen.
Mara hat eine spezielle Vorliebe für schwierige Männer und eine große Liebe zu einem baufälligen Haus in Ligurien. Derzeit ist sie mit einem englischen Anthropologen verheiratet. Da der Herr weder charmant, noch fürsorglich oder wenigstens irgendwie nett ist, läuft es überraschenderweise nicht so gut in der Ehe. Mr. Nolan (kommt von nölen – und dieser Kalauer entspricht durchaus dem Niveau des Romans) ist erstens eine wandelnde Nervensäge, zweitens ein elender Besserwisser, drittens gebildeter als der Rest der Welt und viertens als Engländer in Italien sowieso verloren. Ja, Klischees bedient Herr De Carlo besonders gern…
Als nun besagter Ehegatte bei der Reparatur des Daches des oben erwähnten Häuschens in Ligurien durch selbiges kracht, tritt Ivo Zanovelli in Maras Leben. Lange schwarze Haare, gut definierte Muskeln, Motorradfahrer und in der Lage, das Dach schneller zu richten als jeder andere, dazu das Odeur des Geheimnisvollen – an dieser Stelle war ich kurz vor einem Abbruch, aber ich bin ja eine tapfere Leserin – , leider auch irgendwie jähzornig, leicht verletzt, wenig gebildet, so gar nicht englisch (ich vermute allerdings, das soll ein Pluspunkt sein) und ständig in Schwierigkeiten.
Der Rest verläuft wie Schmonzette eben verläuft, unterbrochen von langen mit anthropologischen Thesen gespickten Monologen des Gehörnten. Wenn Nichttänzer über Ballett schreiben, passiert häufig Ähnliches, da wird jeder angelesene Fachbegriff in den Text geworfen, ob’s passt oder nicht.
Sprachlich ist der Roman eine echte Herausforderung, da De Carlo, wrrrrammwrrrrammm woosh woosh wreeeaaammmwrrrstkrrr, jedes Nebengeräusch in den Text miteinbaut, so dass der Leser die aufkeimende Langeweile mit heiterem Geräuscheraten, strok mmmbrrr sgwoinnk, bekämpfen kann. Wenn er denn sein eigenes Wort noch versteht.
Wer bis hier gekommen ist, hat sicherlich begriffen, dass ich mit diesem Buch so überhaupt gar nichts anfangen konnte. Und dabei will ich es auch belassen.

Ich danke dem Diogenes Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar und die Geduld mit der Rezensentin.

Mosaikteilchen

Sofia traegt immer Schwarz von Paolo Cognetti

Sofia trägt immer schwarz

Paolo Cognetti

Aus dem Italienischen von Christiane Burkhardt

erschienen am 24.09.2018 im Penguin Verlag

ISBN 978-3-328-60027-5

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Paolo Cognettis Roman „Acht Berge“ über eine Männerfreundschaft war im letzten Jahr gefühlt eines der meisterwähnten Bücher in den digitalen Medien. Nun bringt der Penguin Verlag seinen 2012 erschienenen, laut Klappentext „vielfach ausgezeichneten“, Debütroman heraus, erstmals auf Deutsch. Warum erst jetzt, fragt man sich, wenn der Roman doch schon vor sechs Jahren eine so gute Aufnahme erfahren hat?
Meine Antwort darauf ist leider die Vermutung, dass man ihn damals, als der Bestsellerautor Cognetti noch der Erstlingsautor Cognetti war, übersehen haben muss oder ihn , oh Frevel, vielleicht gar nicht so spannend fand.
So ging es nämlich mir mit diesem Roman, der sich gar nicht wie einer anfühlt, eher wie eine Kurzgeschichtensammlung, die um das Thema „Sofia Muratore“ kreiselt. Selbige ist erst ein junges Mädchen, später eine junge Frau aus schwierigen Verhältnissen. Unglückliche Mutter, fremdgehender Vater, im Teenageralter versucht Sofia einen Selbstmord, wird nach dessen Mißlingen dann aber lieber Schauspielerin. Verschiedene Stimmen bekommen je ein Kapitel Zeit, eine Façette aus Sofias Leben und Umfeld zu erzählen, dabei springt der Text munter in der Zeit. Jedes Mal ist eine Neuorientierung auf seiten des Lesers erforderlich, näher kommt man Sofias Wesen dabei aber keinen Zentimeter. Die junge Frau bleibt, nein, nicht geheimnisvoll, sondern blass, und irgendwo in ihren Dreißigern bricht der Roman dann auch ab. Alternde Frauen sind scheinbar weniger interessant als junge magersüchtige vagabundierende Schönheiten. Vielleicht wollte Cognetti auch nicht schreiben über Altersarmut und Magengeschwüre, Falten und Gesichtsverlust.
Nun ist es nicht so, dass dieser Roman nicht lesenswert wäre, Bestsellerautoren kommen ja im Allgemeinen nicht talentlos daher und schon dieses Debüt zeigt, dass Cognetti mit Worten wunderschöne Bilder erschaffen kann. Und auch, wenn Sofia selbst blass bleibt, treten andere Gestalten in den Vordergrund: ihr Vater oder ihre Tante Marta zum Beispiel. Das schönste Kapitel ist für mich das, welches eine Kinderfreundschaft mit dem Sohn eines Arbeitskollegen von Sofias Vater zum Thema hat. Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass der Autor sich in „Männerwelten“ wohler fühlt. Sei es nun der Junge, dessen Mutter im Sterben liegt oder Sofias Vater, dessen Fremdgehen mehr Verständnis erfährt als die Probleme der eher als nervig beschriebenen lebensunfähigen Mutter. Und Tante Marta, die Terroristin und Alleinlebende wäre auch als Onkel Eduardo durchgegangen.
Der Hauptgrund aber, weshalb ich mit diesem Roman so gar nicht warm geworden bin, ist ein Gefühl der Beliebigkeit, das sich recht schnell beim Lesen einstellte. Große Worte, schöne Formulierungen, feinsinnige Bilder, unausgesprochene Gefühle, Lug und Trug, Drama, Tragödie, alles vorhanden; kein Zweifel, das hier soll Kunst sein, soll besonders sein, und die dazugehörigen alten Fabrikhallen und der kunstbesessene ältere Liebhaber sind auch an Bord. Kein Klischee, das nicht Aufnahme gefunden hätte in diesem Strom ausgewogener Formulierungen. Nur echtes Gefühl, das habe ich persönlich vergebens gesucht.

Ich danke dem Penguin Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Weitere Besprechungen:
Buchstabenträumerei https://buchstabentraeumerei.wordpress.com/2018/10/16/sofia-traegt-immer-schwarz-von-paolo-cognetti-rezension/