Charmante Familien-Saga

9783423146821

Die Jahre der Leichtigkeit

Elizabeth Jane Howard

Aus dem Englischen von Ursula Wulfekamp

erschienen 2018 im dtv Verlag

ISBN 978-3-423-14682-1

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Ich muss damit einfach beginnen, weil es mich so verzweifeln lässt: der zweite Band dieser fünfbändigen Familienchronik, über die ich gleich mehr berichten werde, wird erst Ende November erscheinen. Ende November – das ist ja gar nicht auszuhalten! Ich weiß auch gar nicht, warum ich von dieser schon 1990 erschienenen Reihe noch nie zuvor gehört habe, bin aber glücklich sie nun entdeckt zu haben.
Mit „Die Jahre der Leichtigkeit“ reisen wir mitten hinein in die auslaufenden Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts und in das Leben der Familie Cazalet, bestehend aus Brig und Duchy Cazalet, ihren drei Söhnen nebst Ehefrauen und Kindern und der unverheirateten Tochter. Die ganze Familie verbringt traditionellerweise den Sommer auf dem Anwesen von Brig und Duchy in Sussex. Unglaublich charmant und leicht beschreibt Elizabeth Jane Howard die Ereignisse und Erlebnisse der Familie und ihres Umfelds. Sie erzählt von den Abenteuern der Kinder, für die diese Sommer geradezu paradiesisch sind, aber auch von den drohenden Kriegswolken, die sich düster über die Unbeschwertheit legen. Sie gewährt Einblicke in die damaligen Gesellschaftsstrukturen, zeigt die Unterschiede in der Stellung von Mann und Frau, beschreibt den Alltag einer vergangenen Zeit.
Man fühlt sich sehr an „Downton Abbey“ erinnert, Blickwinkel und Detailtreue sind ähnlich. Genauso ähnlich ist der Suchteffekt, der dafür sorgt, dass man diesen nun wirklich nicht schmalen Band ungern wieder aus der Hand legt. Die Cazalets wachsen einem recht schnell ans Herz, trotz ihrer nicht nur liebenswürdigen Charakterzüge. Wahrscheinlich liegt es aber auch genau daran, an den Charakteren, die alle sauber ausgearbeitet sind und lebensecht wirken. Und es mag ebenso daran liegen, dass das Geschehen nie ins Seichte abrutscht, in die Soap Opera, wie es so schnell bei derartigen Familiengeschichten der gehobenen Kreise passiert.
Zur jetzigen Jahreszeit empfehle ich die Cazalet-Saga gerne als wunderbare Urlaubslektüre. Und ein Glas Champagner zur Begleitung wäre sicher nicht ganz verkehrt.
Und auch, wenn ich mich wiederhole: am noch unendlich weit entfernten 30. November erscheint der nächste Band. Ich werde ihn auf jeden Fall lesen und freue mich schon jetzt sehr darauf.

Ich danke dem dtv Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Die Leiden der Porters

Die Sommer der Porters von Elizabeth Graver

Die Sommer der Porters

Elizabeth Graver

Aus dem Englischen von Juliane Zaubitzer

erschienen 2018 als TB im btb-Verlag

ISBN 978-3-442-71551-0

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„Großartige Sommerlektüre“ laut der Zeitschrift Brigitte, steht zumindest so auf dem Einband. Ich habe das Buch im Frühling gelesen, war das vielleicht mein Fehler?
Aber ich fange besser am Anfang an: seit ewigen Zeiten reist Familie Porter, der amerikanischen Oberschicht angehörend, Jahr für Jahr im Sommer mit dem ganzen Hausstand nach Ashaunt, einer fiktiven Halbinsel vor Massachusetts. „Doch als dort im Sommer 1942 ein Militärstützpunkt entsteht, hat die Idylle ein jähes Ende“, sagt der Klappentext.
Nun, da  muss ich etwas überlesen haben. Oder ich habe gar das Buch nicht verstanden. Für den Sommer 1942 jedenfalls folgen wir einem der Kindermädchen bei der Überlegung, ob sie sich in einen der Soldaten verlieben soll oder nicht. Wir lernen ihren fügsamen Zögling Jane kennen, deren ungebärdigere Schwestern, erzogen von einem anderen Kindermädchen, die überforderte Mutter und den an einer geheimen Krankheit leidenden und daher im Rollstuhl sitzenden Vater. Überhaupt gibt es eine Menge an unnützer Informationen, über die Familie, über Fauna und Flora, über Gott und die Welt, die einen schlußendlich nicht wesentlich weiter bringen. Dafür fehlen ein paar hilfreiche Angaben, um die Fülle dieser Informationen zu bändigen.
Nach der „Kindermädchen-Affaire“ springen wir dann abrupt ins Jahr 1947 und in einen Briefroman und wechseln dabei zu Helen, der ältesten Tochter, die ein bißchen aus ihrem Leben plaudert. Helen wäre gerne studiert, 1947 kein  selbstverständliches Unterfangen für eine Frau. Weil sie aber nette Eltern hat, verbringt sie ihre Sommer und auch den Rest des Jahres zu Sprachstudien in der Schweiz, wo sie, wie wir wenig später erfahren, auch ihren Ehemann findet.
1970 lernen wir dann Helens ältesten Sohn Charlie kennen, der auf Ashaunt wohnt, um dort drogengeschuldete Gehirnschäden zu kurieren. Wobei er die eventuell sowieso gehabt hätte, denn in der Familie Porter hat jeder zweite einen Therapeuten und Tante Dossy verbringt sogar regelmäßig einen Teil ihrer Zeit in „Erholungsanstalten“. Warum, wieso, weshalb diese Familie so anfällig ist, ist der Autorin keine Zeile wert, dafür werden seitenweise Gesteinsbrocken beschrieben. Die Familie ist größer geworden, alle Töchter haben nun selbst Kinder, und zwar mehrere, die alle immer mal wieder irgendwo mitmischen und wieder aus dem Blickfeld verschwinden.
1999 ist Charlie dann schon verheiratet und Helen liegt im Sterben. Man weiß nicht, mit wem man mehr Mitleid haben soll.
Im Grunde geht es gar nicht um die Porters, die kommen und gehen, mal zahlreicher, mal vereinzelt, es geht um Ashaunt und – ja, und was? Das ist es, was ich mich zunehmend gefragt habe, worum geht es eigentlich? Die Geschichte dümpelt dahin, Personen, die im einen Teil wichtig waren, tauchen im nächsten kaum auf und über allem scheint eine merkwürdige Moralvorstellung zu liegen, die mir das Buch endgültig verleidet hat. Die wohlerzogene, gehorsame Jane, später Mutter von zahlreichen wohlerzogenen, gehorsamen und unkompliziert netten Kindern steht neben der als Kind schon anstrengenden Helen, zu lax erzogen, die wegen ihrer Universitätslaufbahn die Kinder vernachlässigt und überhaupt ein recht unsympathisch gezeichneter Charakter ist. Frauen, die arbeiten gehen sind Rabenmütter? Na denn…
Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass hier nicht die Spur eines roten Fadens zustande gebracht wurde und die Schriftstellerin von Thema zu Thema hopst wie ein Grashüpfer auf Nahrungssuche, dass es mir eigentlich recht egal ist, wo und wie die Porters ihre Sommer verbringen und dass mir Flora und Fauna einer fiktiven Halbinsel auch keine Begeisterungsrufe entlocken. Gepflegte Langeweile ist die Stimmung, mit der ich das Buch beschreiben würde. Aber vielleicht ist das ja nur meine noch leicht eingefrorene Frühlingsmeinung…

Ich danke dem btb-Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

 

Weitere Meinungen zu dem Roman:

buchlese https://buchlese.wordpress.com/2017/04/23/die-sommer-der-porters-elizabeth-graver/