Landhaus-Krimi

9783608963922

Dreizehn Gäste
J. Jefferson Farjeon
Aus dem Englischen von Eike Schönfeld
erschienen am 23. März 2019 im Klett-Cotta Verlag
ISBN 978-3-608-96392-2

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Ein verregneter Sonntag, keinerlei Verpflichtungen, der Regen prasselt gegen die Scheiben, auf der Couch mit Wolldecke, der Tee dampft, links ein Hund und rechts ein Hund, in der Hand ein klassischer britischer Krimi- das kommt dem Paradies schon recht nahe…
Und darum freut es mich ganz außerordentlich, dass der Klett-Cotta Verlag seit geraumer Zeit wunderschöne leinengebundene britische Krimis veröffentlicht, von mal mehr mal weniger bekannten Autoren.
Diesmal handelt es sich um einen Landhaus-Krimi von J. Jefferson Farjeon, erstmals erschienen 1936. Farjeon war ursprünglich kein Unbekannter in der Krimiwelt, eines seiner Bücher wurde sogar von Hitchcock verfilmt, ist aber inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten. Seine Plots sind oft recht verwickelt, ein klitzekleines bißchen zu konstruiert und die Charaktere dadurch ein wenig blass. Das wird aber aufgehoben durch den Spannungsbogen und die überraschenden Auflösungen.
So auch diesmal. „Dreizehn Gäste“ ist wie ein Ausflug nach Downton Abbey mit Mord zum Dinner. Wir befinden uns auf Bragley Court, dem Anwesen Lord Avelings. Selbiger hat zwölf Gäste zu einer Party eingeladen, durch einen Zufall werden es dreizehn. Eine Unglückszahl! Prompt kommt kurze Zeit später ein Gast ums Leben.
Der Ablauf ist ganz klassisch: als Mörder in Frage kommen nur Hausbewohner, Gäste und Personal. Der Gärtner ist es nicht, so viel verrate ich gerne. Aber gut behütet auf dem Sofa ist es ein Genuss, den Mörder mit zu entlarven, zumal auf detailgetreue Schilderungen etwaiger Verletzungen verzichtet wird. Für mich ist genau das auch der Reiz an diesen Romanen. Es ist mehr eine literarische Form von Sudoku, verlockt zum Kombinieren und Mitraten, und weniger Gemetzel mit ein bißchen Handlung dazwischen.
Wer sich also für derartige Lektüre ähnlich begeistern kann wie ich, der möge einen Blick zu Klett-Cotta werfen und wird dort bestimmt fündig.

Weitere Besprechungen:

KrimiLese https://krimilese.wordpress.com/2019/07/26/j-jefferson-farjeon-dreizehn-gaeste/
Andreas Kück https://andreaskueckleselust.com/2019/04/17/rezension-j-jefferson-farjeon-dreizehn-gaeste/
Buchkenner https://buchkenner.wordpress.com/2019/04/27/dreizehn-gaeste-j-jefferson-farjeon/

Pater Brown

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Pater Brown Stories
G. K. Chesterton
alle 2004 erschienen im Diogenes Verlag

 

Ich verbinde Pater Brown immer augenblicklich mit dem Schauspieler Heinz Rühmann, der die Figur in einigen possierlichen Filmchen verkörpert hat, die ich als Kind geliebt habe. Schlecht gewählt war die Besetzung, folgt man Chestertons Beschreibung, ganz sicher nicht, entspricht aber trotzdem nicht dem Geist der Geschichten.
Pater Brown, ein kleiner Mann mit großem Intellekt, sehr wendig, gütig, aber mit unverrückbaren Ansichten, sehr gläubig natürlich, aber ohne andere damit zu belästigen. Dieser ruhige, unauffällige Mann also kann um zig Ecken denken, bleibt an Lösungswillen und Findigkeit sicher nicht hinter Miss Marple oder Hercule Poirot zurück und löst so die kniffeligsten Kriminalfälle mit einem sanften Lächeln.
Gilbert Keith Chesterton war selbst der katholischen Kirche sehr verbunden, was man den Stories natürlich durchaus anmerkt. Gleichzeitig ist er aber ein Meister darin, sich die ungewöhnlichsten Szenarios auszudenken, von Diebstahl bis zu Mord. Pater Brown lässt er dann von den Indizien auf das Wesen des Täters schließen, d.h. Brown versucht die Denkweise des Täters zu verstehen, um größeres Unglück zu vermeiden. Ihm zur Seite steht häufig ein geläuterter Dieb, der nun als Detektiv arbeitet, ein Mann fürs Grobe, wenn benötigt.
Die Kurzgeschichten sind alle ein wenig betulich, aber niemals unspannend zu lesen. Immer wird wert auf Stil und Raffinesse gelegt, Blut fließt eher nebenbei. Die Lektüre eignet sich also hervorragend für Zugfahrten, Caféhausbesuche etc, ist aber sicherlich eher für Leser interessant, die Freude an altmodischen Winkelzügen und Konstellationen haben und zur Unterhaltung nicht sieben Leichen pro Seite benötigen. Ich mag die Stories sehr, weil sie zum einen so herrlich britisch sind und weil zum anderen Chesterton weit besser schreiben konnte als so mancher preisgekrönte Autor.
Vor geraumer Zeit habe ich mit Richter Di und Bruder Cadfael zwei weitere zu Unrecht fast vergessene Krimicharaktere beschrieben, da reiht sich Father Brown ganz wunderbar mit ein. Ein Hoch auf die Autoren, die ihre Reihen mit soviel Wortwitz, Charme und Intelligenz geschrieben haben, dass man auch heute noch jeden Band mit Vergnügen liest.