Amerikanischer Klassiker

Pressebild_GrashalmeDiogenes-Verlag_72dpi

Grashalme
Walt Whitman
Nachdichtung von Hans Reisiger
erschienen am 24.April 2019 im Diogenes Verlag
ISBN 978-3-257-24497-7

#supportyourlocalbookstore

 

Ungefähr drei Monate lang lag dieser Band auf meinem Nachttisch, stückchenweise habe ich mich vorwärts gearbeitet. Damit habe ich nicht gerechnet, wirklich nicht. Ich habe still für mich zu lesen begonnen, dann beschlossen, diese Texte müssten laut gelesen werden, dann gemerkt, dass meine Stimme nicht klangvoll genug ist, also zurück zum stillen Lesen, dann bin ich doch wieder deklamierend durch das Zimmer gerannt… kurz, ich habe mich wirklich abgearbeitet und mir alle Mühe gegeben den Funken zu entzünden. Schließlich handelt es sich hier um einen der größten Klassiker der amerikanischen Literatur, geliebt von unzähligen Lesern. Von mir nicht, fürchte ich. Das macht mich nervös. Denn tatsächlich stellt sich ja ein Gefühl des Ungebildetseins fast augenblicklich ein, wenn ein seit Jahrzehnten gelobtes Buch, gar ein Meilenstein der Literatur, mich nicht berührt. Wobei das so komplett eigentlich gar nicht stimmt. Es hat mich fasziniert, wie weltoffen und vorurteilsfrei Whitman geschrieben hat. Ungewöhnlich für die Zeit und weit weg vom heutigen Amerika. Man fragt sich unwillkürlich, was Whitman, ein Verehrer Abraham Lincolns, wohl zu Trump und Konsorten zu sagen hätte, er, der von einem freien und stolzen Amerika träumte, frei von der Verstaubtheit Europas, mit Platz für die Träume eines jeden Menschen.
Hymnisch sind viele der Texte, dazu gemacht, laut verkündet zu werden, wenn nur nicht die Aufzählungen wären, für mich das hervorstechendste Stilmerkmal, andererseits ja typisch für Mythenschreibung. Dort stört es mich selten, hier dagegen schon. Warum? Wenn ich das wüßte.
Egal, wie lange ich Für und Wider erwäge, feststelle, daß mir „Grashalme“ aufgrund der Thematik, der Einstellung und der Schönheit der Sprache doch gefallen hätte haben müssen und obwohl ich mir den Zugang zu den Texten nahezu erzwingen wollte, es hat nicht funktioniert. Das zuzugeben fällt mir schwer, ich habe Grenzen schon immer nur ungern akzeptiert. Aber so ist es nun: ich kann leider keine aussagekräftige Besprechung schreiben, weil mir der Zugang zu den Texten fehlte.

Ich danke dem Diogenes Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Erste Liebe

fb1196b04e16cc1cce23a04b8b326450

Siebzehnter Sommer
Maureen Daly
Aus dem Amerikanischen von Bettina Obrecht
erschienen am 15.April 2019 im Kein & Aber Verlag
ISBN 978-3-0369-5990-0

#supportyourlocalbookstore

 

Dieser 1942 erschienene Roman ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur. Er beschreibt einen unvergesslichen Sommer im Leben der siebzehnjährigen Angie Morrow, den Sommer der ersten Liebe.
Angie lebt mit ihrer Familie in einer typischen amerikanischen Kleinstadt. Jeder kennt jeden, abends und an den Wochenenden trifft man sich Drugstore oder geht ins Kino. Am Anfang des Sommers lernt sie Jack Duluth näher kennen, einen Mädchenschwarm des Ortes. Überraschenderweise verlieben sie sich ineinander.
Das nun Folgende beschreibt Maureen Daly ebenso feinfühlig wie anrührend. Denn eigentlich passiert gar nicht viel. Geschrieben 1942, da galt bei der ländlichen Bevölkerung schon ein Kuss fast als ungehörig. Feste Beziehungen wurden von den Eltern nur bedingt gern gesehen. Trotzdem sehen Angie und Jack sich täglich, machen Bootsausflüge, Spaziergänge, treffen sich mit Freunden. Die gerade erst der Kindheit entwachsene Angie verzaubert Jack komplett, auch wenn sie sich ihm nicht an den Hals wirft, keinen Alkohol trinkt und ihre Eltern beständig um Erlaubnis bitten muss.
Mit der Lektüre taucht man ein in eine andere Welt. Eine frische, nach reiner Baumwolle riechende sommerliche Welt. Denn neben der zarten Liebe beschreibt Daly auch Angies Familienleben, gemeinsame Picknicks, das Einmachen der Pfirsiche, Jäten der Beete. Angie lebt in einer heilen Welt, mit liebevollen Eltern und netten Schwestern. Selbst ihre Schwester Lorraine, die einen Hauch von Düsterkeit in die gleißende Helle bringt, verliert Kopf und Ehre nicht komplett.
Mich hat dieser Roman verzaubert. Daly war selbst erst 21, als der Roman erschien und somit sehr nah dran an ihrer Protagonistin. Und sie erzählt so lebensnah von den Gedanken einer Siebzehnjährigen, von ihren Wünschen und Träumen, von den Irrungen und Wirrungen auf dem Weg zum Erwachsensein, dass man wirklich glaubt, Angie selbst zu hören, die von diesem einen, so besonderen Sommer berichtet, der aus dem Kind eine junge Frau macht. An den damit verbundenen Gefühlen dürfte sich auch gar nicht so viel geändert haben, selbst wenn es heute dabei nicht mehr ganz so keusch zugeht.

Ich danke demKein & Aber Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.