Hundeliebe und Sammlerwut

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The complete flat coated retriever

Paddy Petch

erschienen 1988 bei The Boydell Press

 

Wenn man, wie ich, zum einen büchersüchtig und zum anderen einer bestimmten Hunderasse verfallen ist, dann liegt es relativ nahe, alle Bücher zu diesem Thema zu sammeln, die auffindbar sind. Und so freue ich mich, dass das oben genannte Buch von Paddy Petch kürzlich hier eingezogen ist. Denn allzuviele Bücher gibt es nicht über den Flat Coated Retriever.

Sonderlich bekannt ist die Rasse, zumindest in Deutschland, nicht. Man kennt den Golden Retriever und den Labrador Retriever, wobei da schon viele irritiert sind über das Wörtchen „Retriever“ hinter Labrador. Dass es sechs Retrieverrassen gibt, ist den wenigsten bewußt. Der Flat Coated Retriever gehört dazu. Ein freundlicher, aktiver Hund mit langem seidigen Fell, die personifizierte Eleganz. Ohne einen Flatcoat im Haus kann und will ich nicht mehr leben. Der Peter Pan der Retrieverwelt hat alles, was ich mir von einem Freund und Begleiter nur wünschen kann.

Paddy Petch versucht in ihrem Buch das gesamte damalige Wissen über die Rasse unterzubringen. Es geht um die Herkunft und Entwicklung des Flatcoats, um Zucht und Welpenerziehung, um Work und Show, um Gesundheitsfragen. Heutzutage ist sicherlich einiges überholt, jede Rasse entwickelt sich weiter mit der Gesellschaft, in der sie lebt. Aber man erfährt eben einiges über die Entwicklung der Rasse bis zu 1980igern, über Zuchtschwerpunkte,über den Rassestandard.
Außerdem enthält der Band viele Photos von David Dalton, eines Photographen, der das Wesen des Flatcoats wunderbar einfangen konnte.

Eine Sammlung der verschiedenen Bücher führt eben auch zu einer Sammlung von Wissen.Verschiedene Autoren mit unterschiedlichen Ansichten und Ansätzen bilden ein stimmigeres Gesamtbild.Und helfen bei der Bildung der eigenen Meinung zum Thema. Und so freue ich mich über jedes weitere Buch in meiner Sammlung, das den Weg zu mir findet. Zur Wissenserweiterung, aber auch zu Bewunderung der Bilder, die den Weg einer der elegantesten Arbeitsrassen illustrieren. Denn ich bin fest überzeugt, dass erst das Wissen über Herkunft und Geschichte einem dem Weg zeigt für die Zukunft.

Wer mehr über meine Hunde wissen möchte, der findet viele Bilder und Infos auf unserer Zwingerhomepage www.grassdancer.de . Für Fragen stehe ich natürlich gerne zur Verfügung…

Hunde in der Kunst

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Einige Hunde

Jan Philipp Reemstma

erschienen 2017 im Insel Verlag

ISBN 978-3-458-19432-3

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Für mich sind Bücher aus der Insel-Bücherei ja immer etwas Besonderes. Ganz unabhängig vom Inhalt sind sie einfach schön. Liebevoll gestaltet und anhand der einheitlichen Aufmachung sofort zu erkennen. So auch dieser Band, dessen Anblick sowohl mein Buch- als auch mein Hundeliebhaberherz augenblicklich höher schlagen ließ. Windhunde auf cremefarbenem Hintergrund sind auf dem Einband zu sehen, schlicht und elegant zugleich. Und der Name Reemtsma weckte Erinnerungen.

Über zwanzig Jahre ist es her, ich war gerade aus der westfälischen Provinz nach Hamburg gezogen und hatte meine Mutter zu Besuch da, ihrem ersten, vermute ich, da entdeckten wir im Programm des Schauspielhauses eine Lesung über Arno Schmidt, gehalten von Jan Philipp Reemstma. Meine Mutter, die – mir damals völlig unverständlich, man verzeihe mir, ich war gerade neunzehn – die Texte von Schmidt begeistert las, wollte partout dorthin und ich musste mit. „Musste“ ist vielleicht nicht ganz richtig ausgedrückt. Um ins Schauspielhaus zu kommen, hätte ich mir damals auch einen Vortrag über Traktoren angehört, aber allzu weit davon entfernt war Schmidt für mich nicht.

Es wurde ein wunderbarer Abend. Es war ein kleiner Kreis von Interessenten, der sich dort zusammen gefunden hatte und das Ganze weder eine Lesung, noch ein Vortrag, sondern ein herrlich humorvolles Geplauder mit Auszügen aus Schmidts Texten. Ich war hingerissen von der Art Reemtsmas Wissen zu vermitteln und seiner spürbaren Begeisterung für das Thema.

Nun muss man mich nicht für Hunde begeistern, um zum Thema zurückzukommen, aber ich war wirklich gespannt darauf, was Reemtsma zu Hunden in der Kunst zu verkünden hat. Wer eine komplette Aufzählung mit Bildanalyse oder ähnlichem erwartet, der wird enttäuscht, das sei zu Anfang gleich gesagt. Der Titel „Einige Hunde“ verrät es wohl schon, es geht um eine ganz subjektive Auswahl von Bildern verschiedener Epochen, die der Autor uns vorstellt. Und um die Frage nach der jeweiligen Funktion des oder der Hunde im Bild. Besonders drastisch gestellt zum Beispiel bei Rembrandts „Der barmherzige Samariter“ mit einem, man verzeihe mir, kackenden Hund im Bildvordergrund.

Und wieder gelingt es Herrn Reemstma sein Wissen plaudernd zu vermitteln. Mit Abschweifungen, Einlässen, fließt der Text mäandernd dahin. Allerdings nie den Faden verlierend, es gibt eben so viel Interessantes drumherum zu berichten. Ich kenne diese Art der Wissensvermittlung mit leichter Hand eigentlich nur aus England.Hier in Deutschland werden Sachbücher im allgemeinen ernster, oder soll ich sagen „strenger“,  angegangen. Wie auch immer, es macht Spass das Büchlein zu lesen, dem Autor bei seinen Gedankengängen zu folgen. Hilfreich dabei ist die Qualität der abgedruckten Bilder, bei dem kleinen Format des Buches nicht selbstverständlich.

Ein wunderschöner Band für Hunde- und Kunstfreunde mit einer feinen Auswahl an vorgestellten Bildern und einem interessant zusammengestellten Essay.

 

Ich danke dem Insel Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

 

 

 

Schön aufgemachter Bildband

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Frauen und ihre Hunde

Ulla Fölsing

erschienen 2017 im Thiele Verlag

ISBN 978-3-85179-332-1

erhältlich u. a. hier

 

Mit „Frauen und ihre Hunde“ legt Ulla Fölsing einen wirklich schönen Bildband vor. Es geht dabei um die Kombination Frau/Hund in der Kunst. Die Autorin, selbst Hundehalterin, schreibt regelmäßig über Kunstthemen und scheint mit diesem Buch durchaus eigenes Interessengebiet zu bearbeiten. In zwölf Kapiteln spaziert sie mit dem Leser durch die Kunstgeschichte, vom Codex Manesse um 1300 bis zu Cornelius Völker 1995. Sie zeigt dabei den Wandel des gesellschaftlichen Frauenbildes ebenso, wie auch den Wandel des Hundebildes, vom verschönernden Beiwerk zum Freund und Gefährten.

So lesen wir zum Beispiel über den Einsatz von Hunden auf Hochzeits- oder Herrscherbildern als Wächter über „Tugend, Treue und Status“ (Kapitel 4) oder erfahren etwas über „Die Liebe zum Schosshund“ (Kapitel 5).Im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts dann lassen sich zunehmend Bürgerliche mit ihrem Hund malen. Man sieht romantisch ins Gras gehauchte Damen mit verspieltem Begleiter, lesende Damen mit behaglich angekuscheltem Hund, Kinder und Welpen. Auch in erotischen Bildern, zur Betonung weiblicher Nacktheit und zeitgleich als Verteidiger der Unschuld, werden die Tiere eingebunden.

Auf 160 Seiten bietet das Buch eine stattliche Menge von Bildern aus allen Epochen, zumeist ganzseitig abgedruckt. Erstaunlich für mich war die Anzahl der mir bekannten Bilder, auf denen ich nie einen Hund bewusst wahr genommen habe, so zum Beispiel Jan van Eycks Gemälde der Arnolfini-Hochzeit von 1434, wo sich tatsächlich zwischen den Brautleuten ein kleiner struppiger Hund postiert hat. Insgesamt habe ich viele Stunden mit dem Betrachten des Bildbandes verbracht, habe Altbekanntes wieder entdeckt, mir völlig unbekannte Bilder von gar nicht unbekannten Malern gefunden und mich spontan in die Hundebilder des Skagen-Malers Peder Severin Kroyer verliebt.

Ein weiterer, sehr gelungener Part des Buches ist das Vorwort von Elke Heidenreich. Sie beschreibt ihr Verhältnis zu Hunden, erzählt von den Hunden, die sie im Leben begleiten und begleitet haben und stimmt einen damit gleich schon wunderbar auf das Thema ein.

Ich kann also eine klare Leseempfehlung für Hunde- und Kunstfreunde aussprechen. Wer weder das Eine, noch das Andere ist, hat auf jeden Fall ein ansehnliches Coffee-Table-Book…

Ich danke dem Thiele-Verlag und lovelybooks.de für das mir zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.