Danach

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Die Rückkehr
Ernst Lothar
erschienen am 10. Juni 2019 im btb Verlag
ISBN 978-3-442-71794-1

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1949 erschien dieser Roman erstmalig. Und thematisierte etwas, das damals niemand hören oder lesen wollte. In heutiger Zeit, mit einer wiedererstarkenden Rechten, ist „Die Rückkehr“ ein wichtiges Zeitdokument, das Einblick gibt in die direkte Nachkriegszeit.
1938 emigriert die österreichische Bankiersfamilie von Geldern in die USA. Nun, 1946, reist der jüngste Spross des Hauses, Felix von Geldern, mit seiner Großmutter Viktoria nach Wien. Vordergründig um finanzielle Angelegenheiten der Familie zu regeln, eigentlich aber, um seine Heimat wiederzusehen und seine Mutter, die die Ausreise damals verweigert hatte. Sie ist liiert mit einem Nazi-Mitläufer und konnte oder wollte sich nicht trennen. Damit geht ein Riss durch die engste Familie. Viktoria lehnt Felix‘ Mutter wegen ihrer Haltung ab, Felix steht zwischen den Stühlen, denn einerseits liebt er seine Mutter, andererseits teilt er Viktorias Einschätzung.
Felix ist in der Zwischenzeit amerikanischer Staatsbürger geworden, verlobt mit einer jungen Amerikanerin. Er trauert jedoch immer noch um seine Jugendliebe, die im Krieg umgekommen sein soll. Als er sie quicklebendig wiedersieht, überrollt ihn die Tiefe seiner noch vorhandenen Gefühle. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Gertrud um des Vorteils willen eine Affäre mit Goebbels eingegangen ist und nun mit einem Amerikaner liiert ist.
Und das ist der Kern des Romans. Es gibt keine einfachen Einteilungen in schwarz oder weiß im Leben. Gertrud ist Felix‘ große Liebe und er muss erkennen, dass seine Gefühle sich wenig darum scheren, was in der Zwischenzeit geschehen ist. Nun ist dies aber keine kitschige Liebesgeschichte mit Happy End, sondern ein realistischer Nachkriegsroman. Und eine Affäre mit Goebbels kann man nicht einfach aus dem Lebenslauf streichen, genausowenig wie man an die Vergangenheit nahtlos anknüpfen kann. Und so muss Felix erleben, dass der Besuch in seiner alten Heimat zunehmend schwieriger wird und er immer zerissener. Bei jeder Begegnung stellt sich als erstes die Frage, was hat der- oder diejenige im Krieg gemacht, auf welcher Seite stehen die einzelnen Personen.
Felix gehört nirgendwo so wirklich hin. Er ist amerikanischer Staatsbürger, aber eben nicht gebürtig. Also betrachten ihn die Amerikaner bisweilen mit Misstrauen. Er ist kein Österreicher mehr, das nehmen ihm die Landsleute übel. Er hat die Emigrationszeit vergleichsweise angenehm verbracht, das trennt ihn von den Menschen, die in den Lagern leiden mussten. Er bzw seine Familie ist wohlhabend, das ruft bei den ausgebombten und hungernden Wienern Missgunst und Neid hervor. Und den immer noch offen auftretenden Nazis ist er eh ein Dorn im Auge.
Es ist nicht verwunderlich, dass dieser Roman 1949 nicht gerade begrüßt wurde. Niemand wollte damals eine so harte Beschreibung der vorhandenen Situation lesen. Und vor allem wollte sich wohl kaum einer der Schuld-Frage stellen. Der Krieg war vorbei, nun wurde wieder aufgebaut. An Hunger und Not waren die Besetzer schuld, der Grund für den Krieg schnell vergessen. Die Amis waren doch reich, da hätten sie ja wohl mehr abgeben können, sich mehr kümmern können. Schließlich hatte man sich ja nicht selbst ausgebombt…
Ernst Lothar beschrieb wohl mehr oder weniger, was er selbst erlebt hatte. Er war gelernter Jurist wie seine Figur Felix von Geldern, arbeitete aber später als Theaterkritiker und Intendant des Theaters in der Josefstadt. 1938 flüchtete er in die USA, 1946 kehrte er als Theater- und Musikbeauftragter des US Departments of State zurück. Anders als von Geldern war Lothar Jude, seine Flucht daher nicht freiwillig, sondern lebensnotwendig. Sein Bezug zum Theater fließt wohl in die Figur der Gertrud, einer ehrgeizigen jungen Opernsängerin.
Ein Roman, der zu Recht neu aufgelegt wurde und es verdient gelesen zu werden. Fast würde ich sagen, ein Roman, den jeder lesen sollte, um sich ein Bild zu machen von der damaligen Zeit zum einen und zum anderen, um die Parallelen zur heutigen Zeit zu erkennen, die Verhaltensmuster und Methoden der Nazis und ihrer Mitläufer, die sich nicht einen Deut geändert haben und unfassbarerweise wieder funktionieren, als hätte die Vergangenheit nicht stattgefunden.

Ich danke dem btb Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Weitere Besprechungen:

Zeichen & Zeiten https://zeichenundzeiten.com/2018/08/23/fremde-heimat-ernst-lothar-die-rueckkehr/

Eine Spurensuche

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Ein gewisser Monsieur Piekielny
François-Henri Désérable
Aus dem Französischen von Sabine Herting
erschienen am 20.Juli 2018 im C.H. Beck Verlag
ISBN 978-3-406-72762-7

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„Wenn du dann bedeutenden Männern begegnest, versprich mir, dass du ihnen sagen wirst: In der Großen Pohulanka Nr. 16 in Wilna lebte ein gewisser Herr Piekielny…“

Dieses Zitat stammt aus dem Roman „Frühes Versprechen“ des französischen Schriftstellers Romain Gary. Es handelt sich dabei um eine weitgehend fiktive Autobiographie des als Roman Kacew 1914 in Vilnius in Litauen geborenen Autors.
Désérable nun schreibt über eine fiktive Spurensuche nach ebendiesem Herrn Piekielny, ausgeführt von einem jungen Mann, der diesem Buch sein Abitur verdankt.
Wer ist nun also dieser mysteriöse Herr Piekielny? Offensichtlich ein Nachbar Garys, aber ein erfundener oder ein realer? Das ist die Ausgangsfrage, und sie führt uns direkt in das jüdische Leben in Vilnius um 1920 herum.
Désérable gelingt es ganz leise und unaufdringlich eine verlorene Welt für kurze Zeit wieder auferstehen zu lassen. Bis 1941 werden in Litauen 80 000 Juden ermordet, etwa 45 000 werden als Zwangsarbeiter in Ghettos verbracht. Die lange und reiche jüdische Kultur Litauens ist damit unwiederbringlich vernichtet.
Doch wie sah es vorher aus? Wie und wo könnte Herr Piekielny gelebt haben? Und wenn er den Holocaust überlebt hätte, wie sähe sein Leben jetzt wohl aus?
Anhand einer Person wird die Geschichte eines Volkes erzählt, eindringlich und kenntnisreich.
Dabei handelt es sich trotz allen Ernstes um ein durchaus leichtfüssiges, mitunter humorvolles Buch.
Auf der Suche nach Herrn Piekielny durchwandern wir auch die Stationen von Romain Garys Leben und Wirken. Ich persönlich mag es sehr, wenn Bücher Türen öffnen in mir noch unbekannte Lesewelten. Gary war mir zwar dem Namen nach nicht unbekannt, aber gelesen habe ich bisher keines seiner Werke.
„Ein gewisser Monsieur Piekielny“ ist laut Klappentext, „eine Hommage an Romain Gary und das Schreiben, an die litauischen Juden und nicht zuletzt an die Nebenfiguren, die Unscheinbaren und Kleinen der Weltliteratur.“ Und treffender hätte man es wahrhaftig nicht formulieren können.

Weitere Besprechungen:

Feiner reiner Buchstoff https://feinerbuchstoff.wordpress.com/2018/08/03/wider-das-vergessen/

„Im Frühling liebe ich die Morgendämmerung“

Kopfkissenbuch von Sei Shonagon

Kopfkissenbuch
Sei Shonagon
Aus dem Japanischen von Michael Stein
erschienen am 15.April 2019 im Manesse Verlag
ISBN 978-3-7175-2488-5

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Sei Shonagon erblickt um 966 in Japan das Licht der Welt, als Tochter eines Provinzstatthalters. Sie erhält schon früh Zugang zu Literatur und Lyrik, ihr Vater ist ein anerkannter Experte für Dichtkunst. Das ist ungewöhnlich für ein Mädchen, aber es wird von einem sehr engen Verhältnis zwischen Vater und Tochter berichtet.
Etwa um 990 tritt Shonagon in den Dienst als Zofe der Kaiserin Sadako, dort beginnt sie ihr Kopfkissenbuch zu schreiben, eine Art Tagebuch. Sie berichtet über Hofklatsch und Intrigen, über Feste, ihr Verhältnis zur Kaiserin, über Vorlieben und Abneigungen.
Dem Manesse Verlag ist es zu verdanken, dass dieses Tagebuch nun erstmals vollständig übersetzt vorliegt. Nachwort, Personenverzeichnis und Anmerkungen komplettieren diese sorgfältig gestaltete Ausgabe, die es dem Leser ermöglicht seinen Blick eintausend Jahre zurück zu senden, an den japanischen Kaiserhof der Heian-Zeit. Shonagons Betrachtungen sind erstaunlich wenig gealtert, elegant formuliert und zeigen einen intelligenten und klaren Blick auf ihr Umfeld. Ihre Beschreibungen des Hofzeremoniells oder diverser Festlichkeiten sind lebendig und farbenfroh, ihre Charakterisierungen hochrangiger Persönlichkeiten sind zumeist überaus scharfzüngig und pointiert. Es ist ein wahres Lesevergnügen, Shonagon in ihre Welt zu folgen. Beeindruckend ist ihr Blick für Stimmungen, Natur oder Schönheit im Alltag. Die Kehrseite ist die Verachtung alles Häßlichen und Ärmlichen, ein typisches Verhalten privilegierter Menschen ihrer Zeit.
Besonders hervorzuheben ist an dieser Übersetzung das Fehlen jeglichen Japankitschs. Die Sprache ist poetisch und präzise, ohne falsche Überzuckerungen oder schwülstige Formulierungen. Daher ist es nur angemessen, Michael Stein für diese wunderbar feinfühlige Ausgabe zu danken, die einen Klassiker japanischer Literatur zu neuem Leben erweckt hat.

Ich danke dem Manesse Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Geschichte eines Hauses

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Gott wohnt im Wedding
Regina Scheer
erschienen am 25. März 2019 im Penguin Verlag
ISBN 978-3-328-60016-9

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Um damit zu beginnen, ich habe „Machandel“ leider noch nicht gelesen, den preisgekrönten Debütroman Regina Scheers. Daher kann ich über „besser“ oder „schlechter“ nicht urteilen. Und eigentlich bin ich ganz froh darüber, ohne Erwartungen an diesen Roman gegangen zu sein. Es wäre nämlich immens schade gewesen, wenn er mich auch nur ein Deut weniger berührt hätte, weil ich falsche Vorstellungen im Kopf gehabt hätte.
Das Buch erzählt die Geschichte eines Hauses im Wedding, einem an Geschichten reichen Berliner Stadtteil. 1890 erbaut, steht nun sein Abriss bevor. Zuletzt haben rumänische Wanderarbeiter dort gewohnt, meist Roma, und seit ihrer Geburt 1918 die alte Frau Romberg.
Intensiv und mit offensichtlich viel Hintergrundwissen berichtet Frau Scheer über die Parallelen und Unterschiede im Umgang mit den Juden und den Roma im Dritten Reich. Sie erzählt von U-Booten (untergetauchte Juden, die versuchen den Häschern zu entkommen), von Arbeitslagern, von Schmerz, Verrat und Tod. Sie erzählt von den „Zigeunern“, die vor, während und vor allem auch nach dem Krieg überall unerwünscht sind, von fehlender Anerkennung, mangelndem Schuldbewußtsein der Deutschen und Behördenterror.
Ich habe mich immer für geschichtsbewußt gehalten und dennoch ist mir der Umgang mit den Sinti, den deutschen Roma, nur am Rande bewußt gewesen und schon gar nicht das Ausmaß der Verfolgung.
Das Alles in einen Roman verpackt zu haben, der einerseits spannend geschrieben ist und andererseits die Zusammenhänge verdeutlicht, ist eine Kunst. In dem Berliner Mietshaus treffen Juden, Roma und Deutsche aufeinander, kreuzen sich Lebenswege. Da trifft der alte Leo Lehmann, gerade aus Israel mit seiner Enkelin eingetroffen, auf Gertrud Romberg, die ihn und einen Freund vermutlich an die Gestapo verraten hat. Aber hat sie wirklich? Dort wohnt Laila Fidler, die nicht ahnt, dass ihre Großeltern auch schon genau dieses Haus bewohnt haben. Laila, die in Deutschland aufgewachsen ist, versucht auch den vielen aus Rumänien eingereisten Roma bei den Behördengängen zu helfen. Ihr Stiefvater ist Mitglied einer Organisation, die Sinti und Roma eine Stimme geben möchte.
Der Roman ist sicherlich nicht dafür geeignet, einfach zur Unterhaltung gelesen zu werden. Er ist nicht schwer zu lesen, nein, aber der Inhalt ist bisweilen schwer zu fassen. Und man muss schon bereit sein, mit dem großen Personal zu leben. Man kann eine derart breit gefächerte Geschichte nicht mit drei Personen erzählen. Schließlich wird ein Zeitraum von fast einhundert Jahren abgedeckt.
Und dann, ja, das muss ich noch schreiben, brauchen wir solche Bücher derzeit. Jetzt, wo der Ruck nach Rechts deutlich spürbar wird und die braune Sauce wieder aus allen Abwasserkanälen quillt, sollten wir uns immer und immer wieder bewusst machen, dass wir unsere Geschichte noch lange nicht aufgearbeitet haben. Dass man eben nicht den Deckel auf den Topf setzen und die Geschichte verleugnen oder zu den Akten legen kann. Daher kann ich diesen Roman wirklich nur jedem ans Herz legen.

Ich danke dem Penguin Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Weitere Besprechungen:

Kuhle Bücher https://kuhlebuecher.com/2019/04/20/gott-wohnt-im-wedding-von-regina-scheer/
Cascarax https://cascarax.wordpress.com/2019/04/22/viele-geschichten-und-ein-sprechendes-haus-regina-scheers-neuer-roman-gott-wohnt-im-wedding/
Jüdische Allgemeine https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/gehen-oder-bleiben-2/

Aufbaujahre

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Westend
Martin Mosebach
erschienen am 19.02.2019 im Rowohlt Verlag
ISBN 9678-3-498-00105-6

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Dieser 1992 erstmals erschienene Roman ist schlicht ein großartiges Stück deutscher Literatur in Tradition von Manns „Buddenbrooks“. Über drei Generationen hinweg verfolgt Martin Mosebach das Leben zweier Familien im Frankfurter Westend in der Nachkriegszeit.
Alfred Labonté wächst nach dem Tod seiner Mutter und dem Verschwinden seines Vaters bei seinen Großtanten auf. Die Familie zehrt noch vom Ansehen seines Urgroßvaters, der einen allseits bekannten Kolonialwarenladen führte.
Lily Has dagegen ist die Tochter eines Kunstsammlers und gezwungenermaßen Nutznießers des Familienvermögens, welches seine Mutter in einer Haus- und Grundstücksverwaltung festlegen liess.
Zwei Familien, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten: die Schwestern Labonté, die Wert legen auf Anstand, Manieren und Traditionen, die einen Haushalt führen, in dem nahezu alle Handlungen vorherbestimmt sind und immer noch den Regeln ihres Vaters folgen, stehen im Grunde für das Leben vor dem Krieg. Lilys Vater Eduard dagegen stammt zwar auch aus einer traditionsreichen Familie, wurde aber von seiner Mutter von den Geschäften ferngehalten und hat nun einen Vorstandsposten in der „Verwaltung“, deren wahre Leitung jedoch in den Händen seines Vetters Fred Olenschläger nebst Sekretärin liegt. In dem Versuch, sich freizuschwimmen, beginnt Eduard moderne Kunst zu sammeln und wendet sich überhaupt von allen Familientraditionen ab.
Diese Zusammenfassung ist allerdings nur grob und wird der Vielschichtigkeit des Romans keineswegs gerecht. Denn Mosebach erzählt nicht nur eine Familiengeschichte, nein, er betrachtet aus dem Kleinen das Große, schafft ein Panorama der deutschen Nachkriegszeit aus den Menschenschicksalen, den Veränderungen im Viertel, in der Stadt, in der Welt. Die Zeiten ändern sich, ein Menschenschlag stirbt aus, ein anderer entsteht, Häuser werden abgerissen, eine neue Architektur wird umgesetzt, Beton ist nun á la mode.
Als Kind hatte ich ein Bilderbuch über einen Bauernhof im Wandel der Zeiten. Und ein wenig habe ich mich daran erinnert gefühlt bei der Lektüre. Jede Seite zeigte eine weitere Modernisierung. Die Nachkriegszeit brachte ähnlich rasante Änderungen und nicht alle Menschen konnten ebenso rasant umdenken.
Martin Mosebachs Charakterzeichnungen sind grandios: vom Hausmeister mit obligatorischem Schäferhund über den nur äußerlich weltmännischen Architekten bis zur Geliebten Has‘ mit dem goldenen Haarkranz, alle sind einerseits Individuen mit persönlichen Neigungen und andererseits Stellvertreter ihrer Art.
Hinzu kommen die elegante Sprache, der feine Humor und die Tatsache, dass der Roman trotz seiner fast 900 Seiten keine Sekunde langatmig ist, sondern durchgängig auf seinem hohen Niveau bleibt, mit einem Erzählfluss, wie man ihn nur ganz selten noch erleben darf. Ein sprachliches und erzählerisches Meisterwerk mit einer beeindruckenden stofflichen Dichte!
Wer sich für dieses Kapitel deutscher Geschichte interessiert, abseits von Petticoat und Italiensehnsucht, dafür detailgenau und tiefgehend, der zumindest einen Blick werfen in dieses Buch, dass mir durchgehende Lesefreude bereitet hat.

Ich danke dem Rowohlt Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Weitere Besprechungen:

Kuhle Bücher https://kuhlebuecher.com/2019/04/08/westend-von-martin-mosebach/

Unweit von Bagdad

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Babel
Kenah Cusanit
erschienen am 28.01.2019 im Hanser Verlag
ISBN 978-3-446-26165-5

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1913. Robert Koldewey leitet die Ausgrabung Babylons und leidet an einer Blinddarmentzündung. Das ist, sehr knapp formuliert, der Inhalt des Debütromans von Kenah Cusanit. Die Altorientalistin legt mit ihrem ersten Roman ein sprachliches Meisterwerk vor. Selten habe ich so sprachverliebte, wohlformulierte Sätze gelesen. Dennoch, der Funke springt nicht über. Schon nach kurzer Zeit habe ich das Gefühl, Cusanit schreibt für einen exklusiven Menschenschlag, den Archäologie studiert habenden Leser. Minutiös breitet sie Koldeweys Handlungen vor uns aus, mit der Geduld, die wohl auch von Nöten ist, will man dem Boden historische Schätze entreissen. Mir wird der Text dadurch jedoch zu langatmig, kurz, er überfordert mich.
Die Überraschung: lautes Vorlesen hilft, den feinen Humor zu erkennen, den Faden zu behalten und mich nicht im Wortgewirr zu verlieren (da gewinnt der Titel noch eine ganz andere Bedeutung). Aber auch mein Mann winkt nach kurzer Zeit ab, dabei ist er deutlich geschichtsinteressierter als ich. Also kämpfe ich einsam weiter, hoffe auf Zugang, scheitere.
Mein Fazit: „Babel“ ist ein unglaublich sprachverliebter Text, fast schon zu durchformuliert. Cusanit schreibt sichtlich nicht für den Leser, sie schreibt eine Gesamtkomposition, in der jedes Wort sorgsam ausgewählt wurde. Und das ist tatsächlich auch der Grund, warum ich nicht aufgegeben habe. In diesem Roman finden sich großartige Sätze, Abschnitte. Da rückt der Inhalt tatsächlich in den Hintergrund.
Wahrscheinlich ist es Jammern auf ganz hohem Niveau, aber ich vermisse trotzdem eine gewisse Lebendigkeit zwischen den funkelnden Wortjuwelen. Und dann: eine Blinddarmentzündung bleibt eben eine Blinddarmentzündung, egal wie nett man sie beschreibt. Und 267 Seiten Blinddarm sind mir dann doch zuviel.

Weitere Besprechungen zu diesem Roman:

Die letzten kritischen Leser https://kritischeleser.wordpress.com/2019/03/12/babel/

 

Das Gespenst aus dem Hause Indebetou

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1793
Niklas Natt och Dag
Aus dem Schwedischen von Leena Flegler
erschienen am 01.03.2019 im Piper Verlag
ISBN 978-3-492-06131-5

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„Ein wilder und ungewöhnlicher Mix, der das ganze Krimigenre revolutioniert.“ So äußert sich laut Buchrückseite der Schriftsteller Arne Dahl zu diesem Roman. Ganz soweit würde ich nicht gehen, aber „1793“ gehört definitiv zum Besten, was ich an historischen Kriminalromanen bisher gelesen habe.
Dunkle Zeiten sind es, die Niklas Natt och Dag da ins Leben zurückruft. Die französische Revolution droht auch nach Schweden überzugreifen, der Thron ist umstritten, die Rechtsprechung willkürlich. Die Reichen sind sehr reich, die Armen bitterarm. Stockholm riecht in weiten Teilen nach Kloake, ein Menschenleben hat nicht viel Wert. In diesen Zeiten erregt eine Leiche recht wenig Aufsehen. Die eine aber, die diesen Roman in Gang bringt, ist so verstümmelt, dass doch zwei Menschen sich berufen fühlen, nach dem Mörder zu suchen: der an Tuberkulose im Endstadium erkrankte Jurist Cecil Winge und der einarmige Ex-Matrose Mickel Cardell. Dieses ungleiche Duo ergänzt sich erstaunlich gut, leider wird Winges Zustand keine Fortsetzungen zulassen.
Es ist nicht leicht zu lesen, was Winge und Cardell im Laufe ihrer Ermittlungen zu Tage bringen. Brutal ist der Roman, detailgenau und düster. Darin erinnert er mich an die Reihe um den französischen Kommissar Le Floch, die durchaus einen ähnlichen Aufbau hat und auch durch Detailtreue und historische Genauigkeit beeindruckt. Zudem ermittelt Le Floch in vergleichbaren Zeiten, nämlich kurz vor der Revolution in Frankreich.
Was diesen Roman für mich so außergewöhnlich macht, sind allerdings nicht der Mordfall und seine Grausamkeiten. Es ist die Zeit, die sich Natt och Dag für die Entwicklung seiner Charaktere läßt. Wir erfahren, wo sie herkommen, was sie umtreibt, wovon sie träumen oder was sie sich erhoffen. Und es gelingt ihm, den Roman dadurch spannender zu machen statt langatmiger. Im Grunde erleben wir eine Führung durch das Stockholm des Jahres 1793, durch Weinstuben und Gerichtssäle, vom Spinnhaus bis zum Adelsgut. Der Mord dient dabei streckenweise als roter Faden, der alles zusammenhält. Eine solche Konstruktion ist durchaus gewagt, aber in diesem Falle mehr als gelungen. Es ist also gar nicht genau zu sagen, was man da eigentlich liest, einen historischen Roman oder einen Krimi. Im Grunde ist das aber gleichgültig, wenn es denn so hervorragend geschrieben ist wie „1793“.

Ich danke dem Piper Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Weitere Besprechungen zu diesem Roman:

literaturwerkstatt-kreativ/blog https://literaturwerkstattkreativblog.wordpress.com/2019/03/10/1793-von-niklas-natt-och-dag/
zeilenliebe https://zeilenliebe.com/2019/03/01/1793/

The beautiful landscape of battlefields, cemeteries and ruins

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Winterbergs letzte Reise
Jaroslav Rudis
erschienen am  25.02.2019 im Luchterhand Literaturverlag
ISBN 978-3-630-87595-8

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Dieses Buch ist eine Zumutung. Es ist großartig, anders, stellenweise unfassbar witzig, abgrundtief traurig, irrsinnig, todlangweilig, aber vor allem eine Zumutung. Man muss es lesen wollen, wirklich wollen. Nur, warum sollte man wollen wollen?
Kurz zum Inhalt, wobei man den Inhalt im Grunde nicht kurz, wenn überhaupt, zusammenfassen kann:
Jan Kraus, gebürtiger Tscheche, ist 1986 nach Deutschland geflohen. Dort ist er über Umwege Krankenpfleger und Sterbebegleiter geworden.
Derzeit versorgt er den 99jährigen Wenzel Winterberg, der schon in den letzten Zügen liegt (was würde er diesen Begriff „in den letzten Zügen liegen“ lieben, zumindest wäre er Anlass für einen Vortrag). Winterberg hat aber noch eine Aufgabe zu erledigen und so reisen die Beiden per Zug (Winterberg liebt Züge), bewaffnet mit einem Baedecker von 1913, durch halb Mitteleuropa.
Der Leser erlebt diese Reise mit den Augen Jan Kraus‘, aber eigentlich ist der Roman ein fast durchgehender Monolog Winterbergs. Über Gott und die Welt, Kriegsschauplätze, Sehenswürdigkeiten, Bahnhöfe und Feuerhallen, jaja, neinnein, darüber, ob man „geschichtlich durchblickt“, über die Schlacht von Königgrätz, tschechisches Bier, Frauen, Zugfahrpläne. Ein nicht endenwollendes Gesabbel (nein, ich will es nicht anders nennen, will ich nicht), ähnlich einlullend wie lange Bahnfahrten. Und in diesem Fluss von Baedeckerabschnitten, Beschreibungen der Landschaft, Betrachtungen zur Geschichte finden sich immer wieder Hinweise auf das, was Winterberg quält, auf das, was Kraus mit sich herumschleppt und nicht verarbeiten kann. So dass man beim Lesen immer wieder aufschreckt, weil man denkt, man hätte den Zielbahnhof verpasst oder den Umsteigehalt, den einen wichtigen Hinweis halt, die Andeutung, die über Sinn und Unsinn entscheidet, aber schnell folgt der nächste Redeschwall, der Zug fährt weiter.
Warum also, zum Henker, sollte man sich das antun? Weder Kraus noch Winterberg sind sympathisch, man beginnt sie trotzdem zu mögen, sicherlich, ein wenig zumindest, aber vor allem beginnt man zu denken. Über den Krieg, über Diktaturen, über den Tod, darüber, was einen Menschen zerbricht und wie schnell das geht, wie unverhofft, wie wenig man planen kann, wie schnell man vom Täter zum Opfer wird und umgekehrt und auch darüber, wie sehr sich die Geschichte immer in der Gegenwart spiegelt.
Dieser Roman ist ein ganz und gar irrwitziges Projekt, sperrig. Er verlangt vom Leser Arbeit und Geduld und Durchhaltewillen. Und das ganz ohne Belohnung. Außer den Erkenntnissen, die man sich vielleicht beim Lesen selbst erarbeitet hat. Was dann wiederum mehr ist, als man von den meisten anderen Büchern sagen kann.
Und soll man diesen Roman nun lesen? Man soll. Wenn man denn bereit ist, sich einzulassen auf diesen Text. Wenn man sich nicht nur besäuseln lassen möchte von Literatur.Wenn man aktiv und selbständig denken möchte. Sonst begibt man sich in die Gefahr an hochgradiger Langeweile zu sterben. Irgendwo zwischen Königgrätz und Sarajewo.

Isländer-Saga

Die Sturlungen von Einar Karason

Die Sturlungen
Einar Karason
Aus dem Isländischen von Kristof Magnusson
als Taschenbuch erschienen am 14.Januar 2019 im btb Verlag
ISBN 978-3-442-71753-8

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Die Wikingerzeit interessiert mich schon länger und ich habe daher natürlich auch bereits einige Bücher zu dem Thema gelesen. Dieses aber ist besonders. Es handelt vom Aufstieg und Fall eines isländischen Clans, den Sturlungen. Die Isländer haben im Gegensatz zum Rest von Europa schon im Mittelalter einen sehr eigenen Kopf gehabt. Sie haben nämlich Bücher geschrieben und zwar in ihrer Landessprache. In einer Zeit, wo im Rest der Welt kaum jemand lesen und schreiben konnte, wo allenfalls in den Klöstern aufwendig religiöse Texte hergestellt und wenn überhaupt, dann auf Latein geschrieben wurde, wurden auf einer kleinen rauhen Insel ganze Sagas auf Isländisch bzw Altnordisch niedergeschrieben, wurde aus der mündlichen Überlieferung tatsächlich auch eine schriftliche. Und diesem Umstand verdanken wir auch die Texte über die Sturlungen, mehr noch, einer ihrer Anführer, genannt Skalden-Sturla, hat eine Chronik hinterlassen, die genauestens den Werdegang seiner Familie beschreibt.
Über zehn Jahre hat sich Einar Karason der Übertragung und Bearbeitung der Saga in eine modernisierte Form gewidmet. Und ich kann sagen, es war die Zeit wert! Mit Karasons Hilfe wird die Sturlungen-Zeit wieder lebendig, erlebt man Schlachten, Intrigen und Kämpfe hautnah. Man liest fassungslos vom Untergang Sturla Sighvatssons und fast seiner ganzen Sippschaft, hofft mit seinem Bruder Kakali auf einen Neuanfang, leidet mit Gissur nach dem grausamen Mord an seiner Familie.
Ständig wechselnde Perspektiven geben dem Leser eine Rundumsicht. Man muss sich allerdings auch an viele unterschiedliche Erzählstimmen gewöhnen. Die Vorteile überwiegen jedoch. Jede Stimme bringt eine eigene Sichtweise und Meinung mit, so dass man bei Kämpfen quasi in den Kopf beider Parteien schauen kann. Man erkennt schnell, wie Zwiste entstehen, wie Blutrache funktioniert, wenn man sie als gegebenes Muss akzeptiert hat, und dass Kämpfende auch damals schon unter posttraumatischen Belastungsstörungen litten. Allzu zimperlich darf man bei der Lektüre übrigens nicht sein: es rollen Köpfe und diverse andere Gliedmassen und auch in den wenigen Friedenszeiten war das Leben hart und opferreich.
Kristof Magnusson ist eine großartige Übersetzung ins Deutsche gelungen. Die einfache und doch melodische Sprache passt zu den beschriebenen Menschen, passt zu der Zeit und ist doch durchgängig flüssig lesbar. Dadurch habe ich die 827 Seiten schneller bewältigt als erwartet und mochte mich eigentlich noch gar nicht von dem Text lösen.
Insgesamt eine wirklich gelungene Neubearbeitung eines mittelalterlichen Stoffes, ein tiefer Einblick in isländisches Leben und Wirken zur Zeit der Wikinger und dabei unerwarteterweise spannend wie ein Abenteuerroman. Ganz fabelhaft!

Ich danke dem btb Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Weitere Besprechungen:

letusreadsomebooks https://letusreadsomebooks.com/2018/02/20/einar-karason-die-sturlungen-die-grosse-islaender-saga/

Ulenspiegel

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Tyll
Daniel Kehlmann
erschienen am 09.10.2017 im Rowohlt Verlag
ISBN 978-3-498-03567-9

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Wenn ich an den Dreißigjährigen Krieg denke, fällt mir als Erstes immer der „Wallenstein“ von Gero Mann ein, ein wahres Mammutwerk, das das Leben des Feldherrn geradezu minutiös nachverfolgt. Besonders die seitenlangen Beschreibungen dessen, was ein Tross alles so mitführt, stehen mir da in bleibender Erinnerung vor Augen. Aber gerade diese übergenauen Schilderungen der Abläufe machen auch das Grauen so nachvollziehbar und die Dauer begreifbar.
Zeitgleich denke ich sofort an Grimmelshausens „Die Abenteuer des Simplicius Simplicissimus“ , einen Roman über einen jungen Adligen, der vom Krieg gewaltig gebeutelt wird, aber trotzdem irgendwie versucht zu überleben. Dabei muss der Held mehrfach die Seiten wechseln und findet keinen ruhigen Flecken in einem Land, indem ständig ganze Heere unterwegs sind, die wie die Heuschrecken alles kahlfressen und zum Dank Tod, Pest und Elend hinterlassen.
Kehlmanns „Tyll“ kommt etwas leichtfüssiger daher, aber nicht minder anschaulich. Der Autor verlegt das Leben des berühmten Schelmen Till Eulenspiegel vom 14. in das 17. Jahrhundert und mit diesem Tyll Ulenspiegel, wie Kehlmann ihn zeitgetreu nennt, erlebt der Leser alle Facetten dieses Krieges.
Tyll wächst als Müllersohn auf. Sein Vater ist aber eher an der Erklärung des Wesens der Welt interessiert, an Heilkunde und Magie, als an Mehl. Er gerät in Konflikt mit der Inquisition und wird zum Tode verurteilt. Tyll muss fliehen. Unterwegs schließt er sich einem Schausteller an und zieht alsbald mit Balladen, Seiltanz und Akrobatik durch die Lande. Nach und nach entwickelt er sich zu einer Legende, einem der wenigen Menschen, dem alle Stände in irgendeiner Form Achtung entgegenbringen. Und so ist er das Verbindungsglied in einer Geschichte, die aus vielen einzelnen Mosaikteilchen besteht. Wir erfahren von den Beweggründen und Nöten des Winterkönigs und seiner Frau (so genannt, weil seine Herrschaft nur einen Winter hielt), reiten mit Martin von Wolkenstein in Kriegsgebiet, versuchen mit Athanasius Kircher einen Drachen zu finden oder lesen vom harten Leben der Schausteller, die ja noch weit unter den Bauern stehen und irgendwo bei den Bettlern anzusiedeln sind.
Diese Perspektivwechsel geben dem Buch Tiefe, besonders, weil Kehlmann nie den roten Faden verliert, die Geschichte nie ausfasert oder sich in irgendwelchen Weiten verliert. Kehlmann nähert sich seinem Thema von allen Seiten an und bleibt dabei dem Kern nahe. Der Krieg ist dieses Thema, ob er nun aus religiösen oder machthungrigen Gründen geführt wird, der Krieg und die sich auflösende altbekannte Welt.
Ein großartiges Buch, das ein sehr komplexes Thema in einen wunderbar lesbaren Roman verwandelt. Und Tyll, der passt in diese Zeit deutlich besser als in seine angestammte, sein manchmal fast ans Bösartige grenzender Witz entspricht perfekt dem Lebensgefühl einer haltlosen Zeit.

 

Weitere Besprechungen:

arcimboldisworld https://arcimboldisworld.com/2018/08/25/daniel-kehlmann-tyll/
Zwischen Buchdeckeln https://zwischen-buchdeckeln.blog/2018/08/05/buchgedanken-daniel-kehlmann-tyll/
Culturama https://kulturaspekte.wordpress.com/2017/12/28/der-gestank-des-todes-tyll-von-daniel-kehlmann/
LiteraturReich https://literaturreich.wordpress.com/2017/11/23/daniel-kehlmann-tyll/