Zwei Theaterstücke

9783960084082

Zwei Theaterstücke
Martin Schörle
erschienen im Engelsdorfer Verlag
ISBN 978-3-96008-408-2

#supportyourlocalbookstore

 

Eine schwierige Rezension. Schon bei der Anfrage hatte ich Zweifel. Dabei war des Autors Anschreiben mit der Frage, ob ich wohl Interesse hätte, seine Stücke zu lesen und zu besprechen, wirklich nett formuliert. Genauso nett war auch der Auszug aus dem Theaterstück, den ich zur Einstimmung lesen durfte.
Und dann stellte sich mir auch die Frage, ob meine eher ablehnende Haltung nicht völlig grundlos, schlimmer, nahezu arrogant sei, basierend nur auf der Tatsache, dass der Engelsdorfer Verlag eine Plattform ist für Autoren, die nicht bei den gängigen Verlagen untergekommen sind. Und ob ich mir diese Überheblichkeit wirklich gestatten möchte.
Zumal die beiden Theaterstücke, die in dem Büchlein zusammengefasst erschienen sind, durchaus lokale Anerkennung gefunden haben.
Ich habe die Stücke nun also gelesen. Und leider gefielen sie mir nicht sonderlich.
In „Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten“ geht es um ebendieses, ein Beamtenleben, zwischen geeigneten Radiergummis und den passenden Aktenzeichen. Fredenbek heißt der leicht gestörte Mensch, der uns monologisierend Einblick gibt in seinen Büroalltag. Das ist nicht wirklich neu, aber stellenweise arg übertrieben. Soll es auch, genauso wie die Kalauer unter der Gürtellinie. Ich hätte mir das Ganze etwas eleganter gewünscht, weniger dick aufgetragen und, für mein Befinden, plump. Aber ich kann mir ja viel wünschen, andere mögen es so. Daher: einfach nicht mein Stil und meine Wellenlänge.
„Einladung zum Klassentreffen“ ist da durchaus anders. Ein Telefonat im Zugabteil zwischen zwei Menschen, die als Schüler ein Paar waren. Ursprünglicher Grund des Telefongesprächs: der Titel des Stückes. Was sich daraus entwickelt, hat durchaus Charme und Witz und erinnert an den frühen Curt Goetz. Nun sind dessen frühe Stücke aus den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts. Und fast einhundert Jahre später wirkt so etwas doch etwas antiquiert, Handy hin oder her…
Ich bin also leider nicht sehr glücklich geworden mit dem Buch. Anderen mag es damit aber durchaus anders gehen. Vielleicht hätte es geholfen, sich meine anderen Rezensionen anzusehen. Anhand der gelesenen Bücher und der Art der Besprechung läßt sich ja schon viel über den Rezensenten sagen und ich glaube, man hätte erkennen können, dass es wahrscheinlich unglücklich verlaufen werde.
Ich bedanke mich dennoch herzlich für das Leseexemplar und wünsche dem Autor alles Gute und ja, auch viele erfolgreiche Aufführungen seiner Stücke.

Machtspiele

Der Neue von Tracy Chevalier

Der Neue

Tracy Chevalier

Aus dem Englischen von Sabine Schwenk

erschienen 2018 im Knaus Verlag

ISBN 978-3-8135-0671-6

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Und wieder ein neuer Band im Hogarth Shakespeare Project. Diesmal ist es Tracy Chevaliers Bearbeitung von „Othello“. Die Autorin selbst war mir kein Begriff, ihren Bestseller „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ habe ich nicht gelesen, andere Bücher auch nicht. Vielleicht wird sich das ändern, denn ihre Version von „Othello“ hat mir wirklich gut gefallen. Ich mag ihre Art zu schreiben, zu beschreiben, den Fluß, die Sprache.

Osei, Sohn eines ghanaischen Diplomaten, kommt im letzten Monat des Schuljahres in eine neue Klasse. Eigentlich unnötig, denn der Wechsel zur Junior High steht bevor und die Klassen werden somit umverteilt. Osei hat einige Erfahrung mit Schulwechseln, für einen Diplomatensohn ist das unvermeidbar. Erfahrungen hat er auch damit, das einzige farbige Kind zu sein, er weiß, wie er sich zu verhalten hat, was zu beachten ist.
Mit seiner Ankunft verschieben sich Interessenströme auf dem Schulhof, etwas, das Ian, der diese Strömungen zu kontrollieren vermeint, nicht zulassen kann. Und so hat Osei nur durch den Umstand seiner Ankunft einen geheimen Feind…

Tracy Chevalier verlegt Shakespeares Tragödie auf den Schulhof einer Elementary School in den 1970er Jahren. Dabei unterlaufen ihr in der Anlage des Romans zwei Schnitzer, die ich gleich zu Anfang erwähnen möchte. Zum einen sind die Schüler dieses Romans zehn, elf Jahre alt, ihr Verhalten entspricht aber dem von ca Dreizehnjährigen. Aufgefallen ist mir dies nur, weil ich nachgeschlagen habe, in welchem Alter eigentlich die Junior Highschool in den USA beginnt. Wenn man sich also vorstellt, man hätte es mit Teenagern zu tun, dann liest sich der Roman weitaus schlüssiger. Zum anderen geht es um die Rassentrennung und ihre Aufhebung. Die erfolgte 1964. Und nicht friedlich. Noch in den Siebziger Jahren wurden farbige Schüler teilweise mit Bussen in weit entfernte Schulen gefahren, um eine „gleichmäßige Mischung“ zu gewährleisten. Kein farbiger Vater, keiner der Rassismus am eigenen Leib erlebt hat, hätte sein Kind an eine rein weiße Schule geschickt, nicht für einen Monat bis zum Schulwechsel. Das wäre ein lebensgefährliches Unterfangen gewesen, ein gänzlich unnötiges Risiko.

Von diesen beiden grundlegenden Schnitzern abgesehen, ist der Roman sehr dicht geschrieben. Gemäß den aristotelischen Regeln der Einheit von Zeit und Ort spielt sich alles an einem Tag in der Schule ab. Dadurch ist der Handlungsrahmen sehr eng gesteckt, die Handlung intensiv und unverwässert durch Nebenhandlungsstränge. Alles baut sich, zumindest für mich, schlüssig aufeinander auf, auch wenn das Ende dann recht plötzlich kommt.
Als Mutter, und „Othello“ kennend, habe ich den Roman mit einem stetig wachsenden Stein im Magen gelesen. Man weiß ja, was kommt, kommen muss, und hofft doch darauf, dass in diesem Falle irgendjemand rechtzeitig eingreift, dass es nur dieses eine Mal gut ausgeht.
Heutzutage benimmt sich ja kaum noch jemand tragödiengemäß, daher ist es eine großartige Idee, Kinder auf der Schwelle zum Jugendlichen zu wählen, Teenager, die ja doch immer zwischen tiefster Trauer und höchster Freude schwanken, die sich emotional noch nicht eingependelt haben, die einen Tag mit Puppen spielen und am nächsten verliebt sind „auf immer und ewig“. Nur dort können Gefühle in so kurzer Zeit so hoch kochen, kann erste Liebe in abgrundtiefe Verzweiflung umkippen innerhalb eines Tages.

Und so kann ich sagen, ganz aus dem Bauch heraus, ohne Sprache, Stil, Aufbau etc mit den anderen Büchern der Reihe zu vergleichen, dass dieser Band für mich der bisher schlüssigste ist, der, der mich am meisten gepackt hat, der, der für mich am ehesten den Kern der Sache erfasst hat, nämlich an die Wurzel der Urgefühle des Menschen zu gehen und das, was dort lauert, in Worte gefasst ans Tageslicht zu bringen.

Ich danke dem Knaus Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Weitere Besprechungen zu diesem Buch:

BritLitScout https://britlitscout.wordpress.com/2018/04/16/othello-auf-dem-pausenhof/

Ohn‘ Macht

Dunbar und seine Toechter von Edward St Aubyn

Dunbar und seine Töchter

Edward St Aubyn

Aus dem Englischen von Nikolaus Hansen

erschienen 2017 im Knaus Verlag

ISBN 978-3-8135-0689-3

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Ein weiterer Band des Hogarth Shakespeare Projects im Knaus Verlag, der vierte für mich inzwischen. Dabei waren bisher Margaret Atwood, Jeanette Winterson und Howard Jacobson. Herausgekommen sind sehr unterschiedliche Interpretationen von Werken Shakespeares, mal als miterlebte Theateraufführung, mal fast soapartig, mal ein Diskurs zum Judentum gestern und heute, aber immer spannend, interessant oder auch lehrreich.
Nun also Edward St Aubyn, einer der besten britischen Schriftsteller derzeit, bekannt dafür, den Finger in Wunden zu legen, die sonst eher im Verborgenen schwelen und kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Er hat „King Lear“ gewählt, ein Familiendrama in höchsten Kreisen, also eigentlich für ihn fast ein Heimspiel.

Der Medienmogul Dunbar, Vater von drei Töchtern, gibt den Firmenvorsitz an zwei seiner Töchter ab und verstößt die dritte. Diese Entscheidung war falsch, denn Abigail und Megan schieben ihn in ein Sanatorium ab und versuchen, Pläne durchzusetzen, die gar nicht in Dunbars Sinne sind. Dunbar entflieht. Und nun hängt sein Leben davon ab, wer ihn zuerst findet, die ihn liebende Dritte im Bunde, Florence, oder die beiden intriganten Biester, die vor nichts zurückschrecken.
St Aubyn hatte definitiv Spass. Megan und Abigail sind die bösen Schwestern Cinderellas, getuned für die heutige Zeit, Karikaturen ihrer Art. Zehen fahren sie lieber anderen ab, statt sie selbst zu verlieren. Ihr Umfeld ist ebenso überzeichnet, der Arzt, der sein eigener bester Kunde ist, der Latino-Bodyguard, der für seine Süße auch mordet. Dagegen bleibt Florence blass. Was soll sie auch machen, sie ist die Gute im Stück und das Gute schillert nie so facettenreich wie der Gegenpart. Das muss auch der Autor so gesehen haben, denn rasanter sind definitiv die Szenen mit den Teufelsschwestern. Dunbar selbst ist gebeutelt, unter Medikamenteneinfluss und verstört von den Ereignissen. Ein armer, alter Mann, dessen Welt zerplatzt ist und der nun versucht,die Scherben zu finden.
St Aubyn ist trotz aller Modernisierungen und Anpassungen recht nah am Stoff geblieben, der Fokus bleibt auf der Familie, darauf, was Macht in den falschen Händen ausrichten kann und wie man gerade denen besonders gut weh tun kann, die einem am nächsten sein sollten, zeigt aber auch die Leere, die diejenigen erfüllt, die Macht besessen und verloren haben.

„Dunbar und seine Töchter“ ist sicherlich das Werk aus der Reihe, das am leichtesten zugänglich ist, für das man eigentlich keine Shakespeare-Kenntnisse braucht, weil es auch eigenständig funktioniert. Keine Werkanalyse, keine anstrengenden Monologe, keine mühsamen Adaptionsversuche. St Aubyn hat einen bösen Unterhaltungsroman über die Medienwelt zum Einen und dysfunktionale Familien zum Anderen geschrieben und ist damit wahrscheinlich sehr nah dran an Shakespeares Intentionen. Gutes Theater, das durch die Darsteller lebt, ohne aus dem Zylinder gezogene Kaninchen, dafür mit einer großen Portion menschlicher Abgründe. Leider allerdings auch mit ein paar Längen. Das Tempo, das das Duo Infernale vorlegt, können die restlichen Mitwirkenden nicht halten. Das ist schade, fällt im Gesamtverlauf aber gar nicht so sehr ins Gewicht.

Eine leichtfüssige Umsetzung eines schwerer wiegenden Themas, gute Unterhaltung und dafer definitiv lesenswert.

Ich danke dem Knaus Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Weitere Rezensionen zu dem Buch findet ihr hier:

LiteraturReich https://literaturreich.wordpress.com/2017/12/30/edward-st-aubyn-dunbar-und-seine-toechter/
BritLitScout https://britlitscout.wordpress.com/2017/11/20/king-lear-als-medienmogul/

 

Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen

978-3-15-004394-3

Die Jüdin von Toledo

Franz Grillparzer

erschienen in der Universal-Bibliothek von Reclam

ISBN 978-3-15-004394-3

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Toledo, um 1195. Rahel, die schöne und verwöhnte Tochter Isaaks des Juden, trifft bei einem verbotenen Spaziergang in den königlichen Gärten auf Alfonso VIII, den König von Kastilien. Alfonso, dessen Ehe mit Eleonore von England von Pflichterfüllung geprägt ist, verfällt dem lebensfrohen Mädchen. Das erfreut Königin und Hofstaat naturgemäß recht wenig und sie schmieden verhängnisvolle Pläne.

München, 1846. Die schöne, aber halbseidene Tänzerin Lola Montez wird Geliebte König Ludwigs I. von Bayern. Nachdem sie für einigen Aufruhr gesorgt hatte, wurde sie 1848 des Landes verwiesen und floh in die Schweiz. Kurze Zeit später dankte der König ab.

Mit diesem Stück schlug Grillparzer sozusagen zwei Fliegen mit einer Klatsche. Als Bewunderer der spanischen Dramatiker, bearbeitete er Lope de Vegas Stück „Die Versöhnung des Königspaares und die Jüdin von Toledo – Los paces de los reyes y judia de Toledo“ von 1612 neu. Und er kommentierte unter der Hand die Ereignisse im bayrischen Königshaus. Denn obwohl das Stück erst 1872 posthum erstmalig aufgeführt wurde, war es schon um 1855 entstanden, also relativ kurz nach der weitreichenden Affaire.

Es macht tatsächlich Sinn, die geschichtlichen Geschehnisse im Hinterkopf zu haben, wenn man „Die Jüdin“ liest. Denn als alleinstehendes Drama ist sie doch recht blass. Der König ist schwach, Rahel eitel und naiv, Isaak den Vorstellungen der Zeit entsprechend kriecherisch, aber geldgierig. Und die einzige Figur mit Ausstrahlung und Gedankenweite, Rahels Schwester Esther, ist eine Nebenrolle, der allerdings die Endworte gegönnt sind.

Eine interessante Analyse des Trauerspiels bietet Wolfgang Paulsens Nachwort. Hier erzählt er über Grillparzers Sicht des Dramas, über die Wahl der Versform, über die Entwicklung der Charaktere. Ich muss gestehen, ich fand das Nachwort spannender als das Stück selbst.

Darf man das als Laie schreiben? Ich denke, man darf. Denn ein Theaterstück soll für den Zuschauer wirken und nicht nur für den studierten Theaterwissenschaftler. Wobei die Wirkung auf der Bühne belebter sein kann. Rein gelesen war „Die Jüdin von Toledo“ für mich, wie schon erwähnt, blass.

Schicksalsdrama

978-3-15-004377-6

Die Ahnfrau

Franz Grillparzer

erstmals erschienen 1817, heutzutage u.a. bei Reclam erhältlich

ISBN 978-3-15-004377-6

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Franz Grillparzer, österreichischer Dichter des 19. Jahrhunderts, legte mit „Die Ahnfrau“ sein erstes Drama vor, ein sogenanntes Schicksalsdrama. Was heisst das nun: „Schicksalsdrama“?

Im Grunde ist das einfach zu verstehen. Der Kuchen verbrennt. Egal, wie sorgsam Sie den Ofen eingestellt haben, egal, wie sehr Sie ihr Backwerk bewachen, der Kuchen verbrennt. Und sollten Sie ihn triumphierend, weil vorausschauend, rechtzeitig aus dem Ofen genommen haben, dann geht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Ihre Küche in Flammen auf. Der Kuchen kann seinem Schicksal nicht entkommen und alles, und jeder, das oder der seinen Weg kreuzt, gerät in Gefahr.

In diesem Falle ist der Kuchen das Geschlecht der Borotins. Durch ein Vergehen der titelgebenden Ahnfrau verflucht, leben die Nachkommen sozusagen auf ihr Ende hin, die Auslöschung. Denn erst, wenn der letzte Borotin gegangen ist, ist der Ahnfrau die letzte Ruhe vergönnt. Bis dahin ist allerdings mit reichlich Verwicklungen zu rechnen.

Erfreulicherweise hält Grillparzer sich an die drei aristotelischen Einheiten, betreffend Handlung, Zeit und Ort. Die Handlung ist geschlossen, hat Anfang, Mitte und Ende und ist nicht als Fortsetzungsgeschichte geplant. Die Zeit ist überschaubar, in diesem Falle eine Nacht, und der Ort ist gleichbleibend, die Burg der Borotins mit angeschlossener Kapelle. Selbst das Personal ist nicht sonderlich zahlreich, als da wären Graf Borotin, seine Tochter Berta, ihre heimliche Liebe Jaromir, dessen Vater Boleslav, der Kastellan Günther, ein Hauptmann nebst Soldat und natürlich die Ahnfrau.

In der Burghalle sitzen Vater und Tochter bei trautem Gespräche zusammen. Der Graf erläutert seiner Tochter (und somit eigentlich dem Publikum, die Tochter dürfte das Ganze schon hunderte Male gehört haben) die Familiengeschichte mitsamt Vergehen der Ahnfrau und Verlust des eigenen Sohnes, der im Alter von drei Jahren spurlos verschwand und vermutlich im nahen Weiher ertrank. Zwischendurch verläßt Berta kurz den Raum, was der Ahnfrau ein kleines, gruseliges Zwischenspiel ermöglicht, sieht sie Berta doch zum Verwechseln ähnlich. Wer es bis jetzt noch nicht erkannt hat, die Dame ist ein Geist und wandelt des Nachts durch die Gänge.

Wenig später klopft der von Räubern verfolgte Jaromir ans Tor und wird sogleich als gewünschter Schwiegersohn dem Grafen ans Herz gelegt. Der hat nichts dagegen und wenn wir nicht in einem Drama wären, könnte nun alles ein wunderbares Ende nehmen. Nimmt es aber nicht. Erst gehen wir noch auf Räuberjagd, spielen ein wenig „Vater, wechsle Dich“ und zum Schluß sind erwartungsgemäß alle Borotins dahin und das Hausgespenst geht zur letzten Ruh‘.

Was heute der Thriller ist, war damals das Drama. Eine spannende Geschichte, ein wenig Blut und/oder Gemetzel, eine hübsche Blonde, ein etwas angestoßener Held, Action, Kämpfe, Schwerter und für das gruselige Gefühl gerne auch ein paar Geister, falls gerade vorhanden, das lockte die Menschen ins Theater. Und zu recht. Denn was sich als Text bisweilen etwas amüsant liest, entfaltet auf der Theaterbühne, entsprechende Schauspieler vorausgesetzt, seine ganz eigene Kraft. Und ist auch heute noch packend. Denn in der Erfindung von überraschenden Wendungen, Finten und falsch gelegten Fährten waren viele Dramatiker Meister. Und die oben erwähnten Einheiten machen den Stoff sehr dicht. Alles passiert sehr zeitnah, sehr gleichzeitig und jeder Faden muss im Stück noch aufgerollt werden.

Wenn man bedenkt, dass dieses Stück ein Erstling ist, dann zeigt sich hier schon Grillparzers Gespür fürs Theatralische. Und, ich muss es gestehen, obwohl es sich um ein Trauerspiel handelt, hatte ich doch meinen Spass daran zu sehen, wie die Handlung vorangetrieben wird, sich zuspitzt und wie nah dem Ende noch ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert wird. Es mag bessere Dramen geben, aber lesenswert ist dieses in jedem Falle auch. Und sollte ich tatsächlich eine Aufführung in erreichbarer Nähe entdecken, würde ich nicht zögern, diese zu besuchen.