Hund und Mensch

9783608964486

Darwins Hund
Bryan Sykes
Aus dem Englischen von Anne Emmert
erschienen am 21.09.2019 im Klett-Cotta Verlag
ISBN 978-3-608-96448-6

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„Die Geschichte des Menschen und seines besten Freundes“ ist dieses Buch untertitelt. Und „Bryan Sykes beleuchtet die innige Beziehung zu unserem treusten Gefährten“… heißt es auf der Buchrückseite. Das ist schon richtig, aber trotzdem irreführend.
Bryan Sykes ist Humangenetiker. Ihm gelang es als erstem, DNS aus antiken Knochen zu gewinnen. In seinen bisherigen Büchern und Veröffentlichungen beschäftigt er sich hauptsächlich mit der Genetik und Abstammung des Menschen. Kurz, Sykes ist Wissenschaftler. Wenn man sich mit der Herkunft des Menschen befasst, stößt man unweigerlich irgendwann auf den Hund. Weil er quasi immer dabei war, zumindest seit rund 40 000 Jahren.
Nun ist Sykes kein wirklicher Hundefreund und eigentlich ist das sogar förderlich. Er hat nie selbst Hunde gehalten, trifft daher seine Schlüsse anhand vorliegender wissenschaftlicher Daten und ohne viel Gefühlsduselei. „Darwins Hund“ ist eine Zusammenfassung des jetzigen Standes der Caniden-Forschung in der Interpretation des Autors. Nicht mehr und nicht weniger.
Bryan Sykes bemüht sich sehr, logisch und allgemein verständlich zu erklären. Trotzdem sollte der Leser den Willen und das Interesse haben, sich fachlich mit der Herkunft des Hundes auseinanderzusetzen. Es geht um den schlüssigen Nachweis der Abstammung vom Wolf über mitochondriale DNA, es geht um Knochenfunde und ihre Datierung und letztendlich auch um Zucht und Rassestandards.
Das Ganze ist anschaulich aufbereitet, in lockerem Ton geschrieben und daher gut les- und nachvollziehbar. Einzig die Interviews seiner Frau mit Hundehaltern fand ich persönlich unpassend. Sie sollten die Beziehung des Menschen zum Hund verdeutlichen, vielleicht auch den wissenschaftlichen Ton abmildern. Es geht dabei um die Frage „Lieben Sie Ihren Hund und wenn ja, warum?“ und eine bunte Menschenmischung im Park und anderswo aufgegabelter Menschen darf antworten. Das ist vielleicht zum Teil ganz rührend zu lesen, gibt aber keine Antwort auf die Frage nach der Beziehung des Menschen zum Hund. Ja, ich liebe meine Hunde, und nun?
Fazit: Eine eigentlich gute Zusammenfassung zu Herkunft und Verhalten des Hundes, die aber daran kränkelt, aufgrund besserer Lesbarkeit o.ä. den Pfad der Wissenschaft zu verlassen.

Ich danke dem Klett-Cotta Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

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