Erster Auftritt, Philip Marlowe

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Der große Schlaf
Raymond Chandler
Aus dem Amerikanischen von Frank Heibert
erschienen am 25. September 2019 im Diogenes Verlag
ISBN 978-3-257-07078-1

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Unzählige mit Hut und Trenchcoat ausgestattete, toughe Ermittler lassen sich auf ihn zurückführen: Philip Marlowe. Ich werde ihn auf ewig mit Humphrey Bogart in Verbindung bringen, obwohl der ihn tatsächlich in nur einem einzigen Film verkörpert hat, 1946 in „The big sleep“.
Marlowe ist Privatdetektiv, ehemals Ermittler für die Polizeibehörde, entlassen wegen Befehlsverweigerung. Er ist zielstrebig, wenig auf seine Sicherheit bedacht, ruchlosen Frauen gegenüber mehr oder weniger immun und trinkfest.
In „Der große Schlaf“ hat er seinen ersten Auftritt, weitere Bände folgten.
General Sternwood, alt, reich und mit zwei hübschen Töchtern gesegnet, bittet Marlowe Spielschulden seiner jüngsten Tochter zu überprüfen. Relativ schnell landet er in einem Netz aus Spielhöllen, Schmuddelheft-Dealern und Kleinkriminellen. Und die Töchter des Generals hat er auch noch am Hals.
Mit seinen Romanen führt Chandler die von Dashiell Hammett begründete Tradition der hardboiled novels, des zutiefst amerikanischen Krimis, fort. Handlungsorte sind zumeist unpersönliche Großstädte, die Grundstimmung ist düster, Laster breiten sich aus. Der Ermittler bewegt sich sicher durch diese Schattenwelt, mit einem eigenen Ehrenkodex versehen, wortkarg und hart im Nehmen. Und immer gibt es eine schöne Frau, die ihn in Versuchung führt, selten mit gutem Ausgang.
Diese Krimis stehen im Gegensatz zu den vielfach englischen Vertretern des Genres mit ihren allwissenden Detektiven á la Hercule Poirot, die Verbrechen allein durch Denken lösen, ohne sich großartig die Finger schmutzig zu machen, und häufig in gehobenen Kreisen spielen.
Was ich aber im Vergleich zu heutigen Krimis faszinierend finde: sie kommen ohne großartige Metzeleien oder übertriebene Sexszenen aus. Wenn Blut eingesetzt wird, dann, um einen Tatbestand zu unterstreichen, um der schwarzweißen Stimmung ein rotes Ausrufezeichen hinzuzufügen. An Spannung fehlt es trotzdem nicht.
Die Neuübersetzung des 1939 erschienenen Bandes „Der große Schlaf“ erscheint mir sehr gelungen. Die Sprache ist lakonisch, frisch ohne Schnörkel. Allerdings habe ich auch keine andere deutsche Ausgabe zum Vergleich hier.
Ich hoffe allerdings, dass das nur der Auftakt war für weitere Neuübersetzungen auch der anderen Bände. Denn ein entstaubter Chandler ist eine Zierde für jedes Krimiregal.

Ich danke dem Diogenes Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

 

 

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