Die Schönheit im Unvollkommenen

u1_978-3-10-397459-1

Kintsugi
Miku Sophie Kühmel
erschienen am 28. August 2019 im S. Fischer Verlag
ISBN 978-3-10-397459-1

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Kintsugi ist eine japanische Technik, zerbrochenes Porzellan mit Gold zu kitten. Um die Schönheit im Unvollkommenen zu betonen.
Im Roman sind es aber weniger die Brüche im Porzellan, als vielmehr in den Beziehungen der vier Protagonisten zueinander, die dieser Technik bedürften.
Max und Reik möchten ihren zwanzigsten Jahrestag still in ihrem Haus am See feiern. Eingeladen ist nur ihr bester Freund Tonio und dessen Tochter Pega, die sie mehr oder weniger zu dritt aufgezogen haben. Max, der kontrollierte und minimalistische Archäologe und Reik, der chaotische Künstler, gelten als Traumpaar. Doch nach zwanzig Jahren gibt es Risse im Gefüge und die im Raum stehende Frage, ob das alles war, was das Leben zu bieten hat. Der alleinerziehende Tonio dagegen ist eifersüchtig auf Max, dessen Vorgänger er wohl war, und auf die finanzielle Sicherheit, in der das Paar lebt. Seine Tochter ist ausgezogen und er muss sein Leben umstellen. Pega nun kämpft mit ihren eigenen Problemen, die sie aber nur bedingt mit ihren drei „Vätern“ besprechen möchte.
Miku  Sophie Kühmel gelingt es sehr feinfühlig, das Beziehungsgefüge zu beschreiben. Jeder Protagonist bekommt seine eigene Stimme, seinen eigenen Teil des Buches. So erfährt der Leser nach und nach mehr über die Zusammenhänge, über die Vergangenheit, über gemeinsam Erlebtes.
Unterbrochen werden die Erzählteile immer wieder von Dialogen, die quasi die Spitze des Eisbergs zeigen und erst mit dem zuvor erlesenen Unterbau Bedeutung bekommen.
„Kintsugi“ ist ein sehr stiller, warmherziger Roman über das Leben, die Liebe und die Zeit.
Einzig den japanischen Überbau habe ich als eher aufgezwungen empfunden. Und streckenweise erging es mir mit der Sprache ähnlich. Zu bildreich, zu gewollt künstlerisch klingen manche Sätze für mich. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen, die Geschichte trägt sich selbst, ohne Schnörkel.
Der Bezug zu Japan, zur japanischen Kultur scheint der Autorin allerdings sehr wichtig gewesen zu sein. Das zeigt sich nicht nur in Titel und Kapitelüberschriften, sondern findet sich auch im Text wiederkehrend. Und hat mich irritiert. Denn bis auf den wirklich gut gewählten Titel erschließt sich mir der Grund dafür nicht. Aber vielleicht fehlt mir da auch einfach literarisches Grundwissen.
Schlußendlich stand der Debütroman Miku Sophie Kühmels durchaus zu Recht auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2019. Und ich bin sehr gespannt auf die nächsten Werke der Autorin.

 

 

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