Das wirre Leben der Cheri Matzner

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Das wilde Leben der Cheri Matzner
Tracy Barone
Aus dem Amerikanischen von Stefanie Schäfer
erschienen am 24.April 2019 im Diogenes Verlag
ISBN 978-3-257-07055-2

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Dieses Buch hat mich sprachlos gemacht. Innerlich, weil ich ja beim Lesen nicht sabbele. Ich wäre aber auch gar nicht zu Wort gekommen. Der Text schreit förmlich vor Mitteilungsbedürfnis. Und es gibt nichts, was es nicht gibt. Eine ganze Seifenoper in einem Buch von 500 Seiten. Nicht viel, gemessen am Inhalt.
Baby Cheri wird von einer drogensüchtigen Mutter geboren und gleich im Krankenhaus „vergessen“. Baby kommt zu baseballbesessenen Pflegeeltern. Wird dann adoptiert vom jüdischen Arzt Sol und seiner italienischen Frau Cici, in Ermangelung eigener Kinder. Jede Szene wird filmreif und so genau beschrieben, dass man die Folgen der Seifenoper anhand des Buches durchnummerieren könnte, wollte man sie denn drehen. Baby Cheri wird ein schwieriger Teenager und eine noch schwierigere Erwachsene. Sie ist waffenbesessen, macht eine Ausbildung zur Polizistin. Irgendetwas läuft schief und sie studiert Alte Sprachen und wird Professorin. Verheiratet ist sie auch, mit einem unsympathischen Egomanen, der seine künstlerische Ader sucht.
Bis dahin fand ich das Ganze zwar etwas überladen, aber insgesamt ganz witzig. Für mich lief es auf eine weibliche Midlife-Crisis hinaus, einen Selbstfindungsprozess. In Richtung „wer bin ich?“, „wer sind meine richtigen Eltern?“, „wo will ich im Leben hin?“. Leider reichte der bis dahin verarbeitete Stoff der Autorin nicht und tatsächlich, sie konnte die Dramatik steigern. Wir treffen auf einen Dschungelschamanen, der kryptische Voraussagen macht, jede Menge bewußtseinserweiternde Drogen und dann, ganz plötzlich erkrankt der künstlerische Egomanen-Ehemann unheilbar an Krebs.
Nachdem das letzte Jahr auch bei uns dem Kampf gegen Krebs gewidmet war, allerdings bisher, wenn auch sehr knapp, mit positivem Ausgang, traf das einen empfindlichen Punkt. Ich wollte nicht weiterlesen. Weil ich wußte, was kommt. Weil ich mich dem nicht schon wieder aussetzen wollte. Und weil der Text mich geärgert hat und ich zunehmend nach dem Sinn des Buches gesucht habe. Tracy Barone hetzt Cheri durchs Leben, lädt ihr alles auf die Schultern, was nicht bei drei die Flucht ergriffen hat und mit welcher Erkenntnis? Das Leben ist anstrengend? Ich konnte das Gefühl nicht unterdrücken, dass hier jemand zu oft „Desperate Housewives“ geguckt hat. In einem Roman muss nicht an jeder Ecke eine verbuddelte Leiche lauern, damit es spannend bleibt. Feiner dosiert hätte das ein interessantes Buch werden können, denn an Schreibvermögen mangelt es der Autorin wirklich nicht. Es gibt ganz wunderbare Szenen, die aber in der Menge des Belanglosen untergehen. Verfilmt und in Serienhäppchen verpackt, könnte daraus dennoch ein Treffer werden.

Ich danke dem Diogenes Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

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