Fantasy-Klassiker

BelgariadDie Gefaehrten von David Eddings

Belgariad – Die Gefährten

David Eddings

übersetzt von Irmhild Hübner

erschienen 2018 im Blanvalet Verlag

ISBN 978-3-7341-6166-7

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Der Name „David Eddings“ lässt Jugenderinnerungen wach werden. Als Teenager habe ich seine Fantasy-Epen geradezu verschlungen. Und aus dem Grunde habe ich mir erst vor kurzem seine „Tamuli-Trilogie“ antiquarisch besorgt. Umso erfreuter war ich, als ich entdeckte, dass Blanvalet eine Neuausgabe der mir noch unbekannten Belgariad-Saga plant.
Im ersten Band werden naturgemäß erst einmal die Protagonisten vorgestellt. Garion, Küchenjunge und Neffe der Köchin Pol, wächst elternlos auf einem Gutshof auf. Ruhig fließt sein Leben dahin, unterbrochen nur von den Besuchen des Geschichtenerzählers Meister Wolf. Doch nach einer Reihe merkwürdiger Geschehnisse muss Garion erkennen, dass weder Pol noch Wolf sind, wer sie zu sein scheinen und dass auch seine Herkunft rätselhafter ist, als er vermutete. Schneller als ihm lieb ist, muss er den Gutshof verlassen und sich auf eine gefährliche Reise mit teilweise unbekannten Gefährten begeben.
Wem das bekannt vorkommt, dem sei gesagt, dass Eddings den ersten Band dieser Geschichte 1982 veröffentlichte, d.h. sechs Jahre vor dem Erscheinen des ersten Bandes der Drachenbeinthron-Saga von Tad Williams, in der auch ein Küchenjunge eine Hauptrolle spielt. Vergleichbar sind die Epen aber eigentlich trotzdem nicht. Williams schreibt definitiv deutlich komplexere Bücher. Bei Eddings findet man ruhige, klassische Fantasy. Wer dieser Art Lesestoff nicht so gewogen ist, würde seine Bücher wahrscheinlich als „gute Hausmannskost“ bezeichnen. Wer aber einfach eine Zeit lang in andere Welten abtauchen möchte, wer Abenteuerreisen und unbekannte Völker mag und nicht hinter jedem Baum einen blutigen Kampf benötigt, der dürfte hiermit glücklich werden. Eddings schreibt humorvoll, mit leichter Hand und trotz der vielen unterschiedlichen Charaktere und Orte verständlich und auch ohne großartige Register und Ahnentafeln nachvollziehbar. Nichts davon ist wirklich neu und herausragend, vieles vorhersehbar, aber gerade deswegen stellt sich beim Lesen ein heimeliges Gefühl des Wiedererkennens ein. Man kennt die Abläufe, vermutet recht schnell, wer Garion und Tante Pol wirklich sind und weiß, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit alles gut ausgeht.
Aufgrund des unblutigen Erzählens ist Belgariad ganz sicher auch als Fantasy-Einstieg für Kinder und Jugendliche geeignet, vielleicht ab ca zehn Jahren. Das muss in etwa das Alter gewesen sein, in dem ich angefangen habe, Bücher von Eddings zu lesen.
Ich werde auch die folgenden beiden Bände lesen. In Erinnerung an alte Zeiten und als willkommene Auszeit von meinem derzeit recht unschönen Leben. Wer also einfach nur ein gut lesbares Buch für Ferien- und Strandzeiten sucht oder wem derzeit die Konzentrationsfähigkeit für schwerere Kost fehlt, der dürfte mit dieser Reihe zufrieden sein.

Ich danke dem Blanvalet Verlag für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Weitere Rezensionen zu diesem Buch:

Zeilenvorgabe https://zeilenvorgabe.com/2018/07/04/zurueck-nach-faldors-farm/

Einfach nur ärgerlich

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Die Spionin

Paulo Coelho

Aus dem Brasilianischen von Maralde Meyer-Minnemann

erschienen 2017 im Diogenes Verlag

ISBN 978-3-257-24410-6

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Nun also zum ersten Mal Paulo Coelho. Trotz des hohen Bekanntheitsgrades habe ich mich nie durchringen können, ein Buch dieses Autors zu lesen. Und das eigentlich ohne Grund. Hohe Auflagenzahlen und das Erscheinen im Diogenes Verlag sprechen eigentlich für sich.
Bei diesem Roman hat mich das Bild auf dem Umschlag gleich angezogen. Es zeigt das Sepiabild einer Frau in orientalisch anmutendem Kostüm. Der Klappentext verrät, es geht um Mata Hari, die deutsche Tänzerin, um deren Tätigkeit als Spionin im Ersten Weltkrieg sich Legenden gebildet haben. Ein Thema, für das ich mich, schon weil ich selbst Tänzerin war, durchaus interessiere.
Mit Aufschlagen des Buches begann eine tour d’horreur, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe. Der Roman beginnt mit der Erschießung Mata Haris durch ein französisches Kommando, die der Autor genüßlich langsam und reißerisch ausbreitet. Ich hatte schnell das Gefühl, mich in einem drittklassigen Groschenheftchen zu befinden. Und dieses Gefühl hat mich bis zum Schluß nicht verlassen. In Ermangelung anderer Lektüre zu diesem Zeitpunkt, habe ich das unsägliche Machwerk nicht aus dem Zugfenster gepfeffert, obwohl mein Handgelenk so manches Mal verlangend zuckte. Hölzerne Dialoge, platte esoterische Sentenzen, leblose Charaktere. Das Ganze wirkt wie aus vorgefertigten Versatzstücken lieblos zusammengesetzt, nach Erfolgsrezept angerührt: ein bißchen Drama, ein bißchen aufgesetzte Lebensweisheit, ein bißchen Sex und Tragödie und ein bißchen Vergewaltigung. Das Alles oberflächlich zusammen gemischt, nur bloß nicht tiefere Schichten ankratzen, und fertig ist der Bestseller.
Unfassbarerweise geht die Rechnung tatsächlich auf, der Roman wird teilweise hymnisch gelobt. Ich konnte nach Zuklappen des Buches nur höchst ärgerlich mit dem Kopf schütteln und beschließen, dass es bei diesem einen Coelho bleiben wird. Wenn ich so etwas lesen möchte, greife ich tatsächlich lieber zu einem Groschenheft, als mir dieses in den Mantel der Literatur gewandete Geschreibsel anzutun.
Den Grad meines Unwillens kann jeder ermessen, der weiß, dass Verrisse nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählen. Daher noch einmal die gemäßigte Variante: Ich mag dieses Buch nicht, keine einzige Seite davon. Aber ich gönne den Coelho-Fans natürlich trotzdem ihren Spass.

Weitere Meinungen zu diesem Buch:

Bücher vom Mars https://buechervommars.wordpress.com/2017/09/28/paulo-coelho-die-spionin/
Livricieux https://livricieux.wordpress.com/2017/05/29/quicktipp-die-spionin-von-paulo-coelho/

Der Krimi und das ländliche England

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Mit Miss Marple aufs Land

Luise Berg-Ehlers

erschienen 2013 im Elisabeth Sandmann Verlag

ISBN 978-3-938045-77-0

 

Ich muss gestehen, ich liebe den klassischen britischen Kriminalroman. Ein Mord in einem hübschen, kleinen Dörfchen mit ein bißchen Dorfklatsch anbei, ein behagliches Kaminfeuer und eine gute Tasse Tee. Das Ganze nicht zu blutig und vor allem nicht zu actionreich und schon bin ich zufrieden.
Daher lag es nahe, mir diesen wirklich schön aufgemachten Bildband über englische Krimischriftstellerinnen zuzulegen. Unzählige Bilder aus dem idyllischen, ländlichen England, Informationen zu den bekanntesten Reihen, ich dachte, das alles wäre Grund genug.
Es gibt vereinzelte Ausschnitte aus den erwähnten Romanen, die ruhig ein wenig länger hätten sein dürfen, mit Sepiabildern ausgestattete Kurzbiographien und so possierliche Kapitelüberschriften wie „Alltägliches – Zwischen Tearoom und Pub“ oder „Sonntägliches – Es läuten die Glocken“. Dazwischen finden sich Texte über die Eigenheiten der Engländer im Allgemeinen und Besonderen, über typische Mordschauplätze im typischen Krimi, über Cricket und Krocket, über Dorffeste und Kirchgänge.
Schlußendlich sind mir persönlich die Texte zu oberflächlich und die Bilder zu nichtssagend, obwohl nett anzuschauen. Der ganze Band ist darauf ausgerichtet, Leute wie mich anzulocken, was ja auch gelungen ist, bleibt aber letztlich ein Staubfänger auf dem Wohnzimmertisch.
Die Autorin ist allerdings geschickter als ich darin, die Länge ihrer Texte auszudehnen, unverfänglich zu plaudern ohne zu große Langeweile aufkommen zu lassen. Daher wird meine Besprechung heute ungewöhnlich kurz ausfallen, denn mehr will mir zu diesem Buch einfach nicht einfallen. Netter Geschenkband für Bekannte mit einem Faible für Krimis.