Die Leiden der Porters

Die Sommer der Porters von Elizabeth Graver

Die Sommer der Porters

Elizabeth Graver

Aus dem Englischen von Juliane Zaubitzer

erschienen 2018 als TB im btb-Verlag

ISBN 978-3-442-71551-0

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„Großartige Sommerlektüre“ laut der Zeitschrift Brigitte, steht zumindest so auf dem Einband. Ich habe das Buch im Frühling gelesen, war das vielleicht mein Fehler?
Aber ich fange besser am Anfang an: seit ewigen Zeiten reist Familie Porter, der amerikanischen Oberschicht angehörend, Jahr für Jahr im Sommer mit dem ganzen Hausstand nach Ashaunt, einer fiktiven Halbinsel vor Massachusetts. „Doch als dort im Sommer 1942 ein Militärstützpunkt entsteht, hat die Idylle ein jähes Ende“, sagt der Klappentext.
Nun, da  muss ich etwas überlesen haben. Oder ich habe gar das Buch nicht verstanden. Für den Sommer 1942 jedenfalls folgen wir einem der Kindermädchen bei der Überlegung, ob sie sich in einen der Soldaten verlieben soll oder nicht. Wir lernen ihren fügsamen Zögling Jane kennen, deren ungebärdigere Schwestern, erzogen von einem anderen Kindermädchen, die überforderte Mutter und den an einer geheimen Krankheit leidenden und daher im Rollstuhl sitzenden Vater. Überhaupt gibt es eine Menge an unnützer Informationen, über die Familie, über Fauna und Flora, über Gott und die Welt, die einen schlußendlich nicht wesentlich weiter bringen. Dafür fehlen ein paar hilfreiche Angaben, um die Fülle dieser Informationen zu bändigen.
Nach der „Kindermädchen-Affaire“ springen wir dann abrupt ins Jahr 1947 und in einen Briefroman und wechseln dabei zu Helen, der ältesten Tochter, die ein bißchen aus ihrem Leben plaudert. Helen wäre gerne studiert, 1947 kein  selbstverständliches Unterfangen für eine Frau. Weil sie aber nette Eltern hat, verbringt sie ihre Sommer und auch den Rest des Jahres zu Sprachstudien in der Schweiz, wo sie, wie wir wenig später erfahren, auch ihren Ehemann findet.
1970 lernen wir dann Helens ältesten Sohn Charlie kennen, der auf Ashaunt wohnt, um dort drogengeschuldete Gehirnschäden zu kurieren. Wobei er die eventuell sowieso gehabt hätte, denn in der Familie Porter hat jeder zweite einen Therapeuten und Tante Dossy verbringt sogar regelmäßig einen Teil ihrer Zeit in „Erholungsanstalten“. Warum, wieso, weshalb diese Familie so anfällig ist, ist der Autorin keine Zeile wert, dafür werden seitenweise Gesteinsbrocken beschrieben. Die Familie ist größer geworden, alle Töchter haben nun selbst Kinder, und zwar mehrere, die alle immer mal wieder irgendwo mitmischen und wieder aus dem Blickfeld verschwinden.
1999 ist Charlie dann schon verheiratet und Helen liegt im Sterben. Man weiß nicht, mit wem man mehr Mitleid haben soll.
Im Grunde geht es gar nicht um die Porters, die kommen und gehen, mal zahlreicher, mal vereinzelt, es geht um Ashaunt und – ja, und was? Das ist es, was ich mich zunehmend gefragt habe, worum geht es eigentlich? Die Geschichte dümpelt dahin, Personen, die im einen Teil wichtig waren, tauchen im nächsten kaum auf und über allem scheint eine merkwürdige Moralvorstellung zu liegen, die mir das Buch endgültig verleidet hat. Die wohlerzogene, gehorsame Jane, später Mutter von zahlreichen wohlerzogenen, gehorsamen und unkompliziert netten Kindern steht neben der als Kind schon anstrengenden Helen, zu lax erzogen, die wegen ihrer Universitätslaufbahn die Kinder vernachlässigt und überhaupt ein recht unsympathisch gezeichneter Charakter ist. Frauen, die arbeiten gehen sind Rabenmütter? Na denn…
Ich hatte zunehmend das Gefühl, dass hier nicht die Spur eines roten Fadens zustande gebracht wurde und die Schriftstellerin von Thema zu Thema hopst wie ein Grashüpfer auf Nahrungssuche, dass es mir eigentlich recht egal ist, wo und wie die Porters ihre Sommer verbringen und dass mir Flora und Fauna einer fiktiven Halbinsel auch keine Begeisterungsrufe entlocken. Gepflegte Langeweile ist die Stimmung, mit der ich das Buch beschreiben würde. Aber vielleicht ist das ja nur meine noch leicht eingefrorene Frühlingsmeinung…

Ich danke dem btb-Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

 

Weitere Meinungen zu dem Roman:

buchlese https://buchlese.wordpress.com/2017/04/23/die-sommer-der-porters-elizabeth-graver/

 

 

2 Gedanken zu “Die Leiden der Porters

  1. Ich finde es immer gut, wenn zwei Besprechungen zu so unterschiedlichen Ergebnissen kommen, das zeigt, dass jedes Buch auch sein Publikum finden muss.
    Zum Verweis auf den Klappentext: Das finde ich weniger gut, wenn der Klappentext null mit dem Inhalt des Buches zu tun hat. Für mich ein Hinweis darauf, dass da irgendwelche PR-Typen am Werk sind, die sich mit der Geschichte nicht wirklich auseinandergesetzt haben, sie vermutlich nicht einmal gelesen haben. Ich ärgere mich dann immer und denke mir: die haben keinen Respekt vor den Leser*innen.

    Gefällt 1 Person

    • Klappentexte – ich persönlich finde es schwierig, ein Buch in so einen kurzen Text zu pressen,der schlußendlich auch nicht viel verraten soll. Aber dieser hier ist tatsächlich besonders grandios…
      Ich war ganz froh, dass die andere gefundene Rezension so ziemlich das Gegenteil aussagt. Das macht es runder, finde ich.

      Gefällt 1 Person

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