Die letzten Tage

getimage

Wiesenstein

Hans Pleschinski

erschienen 2018 im C.H. Beck Verlag

ISBN 978-3-406-70061-3

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Selten sieht man ein Buch, bei dem wirklich alles passt und ineinandergreift. Wo Inhalt und Aufmachung eine Einheit sind, offenbar überlegt aufeinander abgestimmt. „Wiesenstein“ ist so ein Buch.

Es beschreibt die letzten Lebenswochen Gerhard Hauptmanns, des großen Dichters und Literaturnobelpreisträgers von 1912 in Romanform. Romanform heißt in diesem Falle, dass neben dem großen Teil gut recherchierten Materials aus Tagebüchern, überlieferten Worten und Schriften, auch ein Teil erdacht ist, Dialoge beispielsweise, immer mit dem Hintergedanken „so könnte es gewesen sein“.
Nachdem ein Aufenthalt im zerbombten Dresden nicht mehr sinnvoll erscheint, wo der 83jährige Hauptmann und seine Frau Margarete in einem Sanatorium weilten, beschließen sie nach Hause zurückzukehren. Zuhause, das ist ihre Villa Wiesenstein in Schlesien. 1945 ein geradezu wahnwitziges Unternehmen. Aber dank der immensen Berühmtheit des Schriftstellers und der daraus sich ergebenden Privilegien gelingt das Unterfangen. In Wiesenstein nehmen die Hauptmanns ihr gewohntes Leben auf, samt Köchin, Gärtner, Hausdiener, Zofe, Sekretärin und Masseur. Und während um sie herum die Welt zerbricht, werden mehrgängige Menüs gereicht, fließt der Wein und es gibt sogar einen Filmabend für Freunde und Bedienstete.

Hans Pleschinski gelingt es mühelos, die verlorene Welt des Großbürgertums und der damaligen Künstlerkreise wieder aufleben zu lassen. Er beschreibt die Abläufe in der Villa sehr genau, von der Küche bis zum Salon. Erschütternd zu lesen, wie sehr die Menschen um Hauptmann herum, seien es Kollegen oder Angestellte auf seinen Schutz hoffen, darauf, dass sowohl Nazis als auch Russen ihn kennen und schätzen, und vor allem erschütternd, wie wenig das die Hauptmanns beschäftigt. Besonders Margarete Hauptmann muss eine sehr standesbewußte, kühle Frau gewesen sein, deren einzige Sonne ihr Mann und sein Ruhm waren und die das Wohlergehen anderer schlichtweg nicht interessierte.
Unfassbar die Geschehnisse in den Städten und Dörfern rundherum, während die Schlinge immer enger wird um die Villa. Verbrannte Häuser, vergewaltigte Frauen, Leichengestank, Plünderer, Hunger, Angst, Verzweiflung – in Wiesenstein werden Literaturabende veranstaltet mit Lesungen aus dem Werk Hauptmanns.
Und als es tatsächlich funktioniert, als sowohl Russen als auch Polen den Sonderstatus Hauptmanns aufrecht erhalten, wie wenig Dankbarkeit spürt man da, wie selbstverständlich wird das doch aufgenommen.
Und trotzdem  – Hauptmann muss innerlich gespalten gewesen sein, denn im Gegensatz zu seiner Frau und trotz schwerer Erkrankung, scheint er mehr von dem Geschehen um sich herum wahrzunehmen, als er zeigen mag, macht er sich mehr Gedanken um die Richtigkeit seines Handelns, als man zunächst vermuten mag. Und er muss eine enorme Ausstrahlung besessen haben, denn er wird von allen verehrt, die mit ihm in Berührung kommen, auch von denen, die um seine Fehler wissen.

Hans Pleschinski hat mit „Wiesenstein“ eine berührende Annäherung an einen großen Dichter geschrieben und ein Stück Zeitgeschichte in all seiner Grausamkeit erhellt. Für mich ist dieser Roman eines der großartigsten Bücher, die ich bisher lesen durfte.
Der C.H. Beck Verlag hat diesem besonderen Roman einen passenden Rahmen gegeben: der Schutzumschlag zeigt einen Turm Wiesensteins, das Vorsatzpapier die Fresken in der Eingangshalle, Photos von den Hauptmanns und der gesamten Villa runden das Ganze ab. Ein Buch, dem ich viele Leser wünsche, schon allein, um das inzwischen in Vergessenheit geratende Werk Gerhard Hauptmanns wieder in das Bewußtsein zu rufen.

Mitmach Buch

Der heutige Buchtipp kommt von Jessica Fröhlich-Brandes. Sie ist Lehrerin, Mutter und immer auf der Suche nach guten Kinderbüchern…

„Ich liebe Bücher, bei denen man mitmachen kann!
Kinderbücher, insbesondere Bilderbücher, gibt es so einige. Es gibt sehr schöne Geschichten, Wimmelbücher, Sachbücher und auch Mitmachbücher. Letztere finde ich als Lehrerin und Mutter besonders spannend.

Das Buch, welches ich heute vorstellen möchte, heißt auch genau so. Nämlich „Mitmach Buch“. Der Autor bzw Künstler ist Hervé Tullet, erschienen ist das Buch 2010 im Christophorus Verlag, es kostet 12,99 € und hat die ISBN 978-3-8411-0016-0.
das Buch ist in sämtlichen Sprachen erhältlich und sogar, was mich besonders freut, für  blinde und sehbehinderte Kinder „übersetzt“ worden.

Das Buch ist eigentlich ein klassisches Bilderbuch. Bunte Bilder, wenig Text. Aber so ganz klassisch ist es eben doch nicht, denn man wird beim Anschauen aufgefordert Dinge zu tun und abzuwarten, was passiert. Der Klappentext fasst es ganz gut zusammen: „Das ist ein ganz besonderes Buch, mach, was es Dir sagt und Du wirst staunen.“ Und das stimmt wirklich.
Kinder können viel Zeit mit diesem Buch verbringen, ganz nebenbei Farben lernen, Anweisungen befolgen, lesen und links und rechts unterscheiden üben und auch für Erwachsene hat es einen hohen Aufforderungscharakter.

Es gibt noch zahlreiche weitere Bücher von Hervé Tullet in ganz unterschiedlichen Stilen und zu verschiedenen Themen, aber immer bunt und motivierend und spannend. Ein Stöbern lohnt sich.
Wer neugierig auf den Autor/ Künstler ist, kann unter www.herve-tullet.com mehr erfahren.

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Mitmach Buch

Hervé Tullet

erschienen im Christophorus VerlagChristophorus Verlag

ISBN 978-3-8411-0016-0

Was für ein Theater!

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Eine leichte Komödie

Eduardo Mendoza

Aus dem Spanischen von Peter Schwaar

erschienen 1998 im Suhrkamp Verlag

ISBN 351841002-4

 

Der 1943 in Barcelona geborene Eduardo Mendoza ist einer der bekannteren Schriftsteller Spaniens. Als sein größter Erfolg gilt der Roman „Die Stadt der Wunder“, im Grunde ein Buch über Barcelona zwischen 1888 und 1929. Mendoza beschäftigt sich in seinem Werk vornehmlich mit der Zeit des Franco-Regimes und den Auswirkungen auf Land und Menschen.
In „Eine leichte Komödie“ geht es um den alternden Frauenheld und Komödienschreiber Prullas, einen Menschen, der offensichtlich sich selbst ins Zentrum seiner Welt gesetzt hat. Reich verheiratet und somit bar aller drängenden Sorgen, lebt er vergnügt vor sich hin, nimmt es mit der ehelichen Treue nicht allzu ernst und labt sich am Erfolg seiner Bühnenstücke. Die werden traditionell von seinem Jugendfreund Gaudet inszeniert und mit immer derselben Darstellerin in der Hauptrolle aufgeführt. So vergeht die Zeit und unbemerkt von Prullas geraten seine Komödien aus der Mode und seine Freunde entwickeln andere Interessen. Als ein Theatermäzen, mit dem er sich eine Liebschaft geteilt hat, ermordet aufgefunden wird und er unter Hauptverdacht gerät, rüttelt ihn das für eine Zeit auf. Er geht sogar so weit, selbst zu ermitteln und ihm unbekannte Milieus zu erkunden.

Sprachlich ist dieser Roman überragend. Man hat den Eindruck, jede Formulierung, jeder Satz, jedes Wort ist genauestens geprüft und passend geschliffen worden. Der Einblick in die Gesellschaft Spaniens zu Anfang der Fünfziger Jahre ist überaus interessant. Mendoza lässt Prullas durch diverse Gesellschaftsschichten wandern, von der reichen Oberschicht über die Künstlerszene bis zu den Elendsvierteln. Jede Schicht hat ihren eigenen Klang, ihre eigene Art sich auszudrücken und sich zu verhalten. Besonders spannend sind dabei die Beamten der Ermittlungsbehörde, die es gewohnt sind, willkürlich und nach eigenem Ermessen zu arbeiten und dabei als Maßstab durchaus persönliche Zu- und Abneigungen ansetzen.
Ansonsten kann man bei der Lektüre erfahren, wie eine vom „machismo“ geleitete Gesellschaft funktioniert. Frauen sind entweder „hübsche Käferchen“, dann sind sie perfekt für den nächsten Seitensprung oder unansehnlich, dann sind sie einsetzbar als Dienstmädchen. Wenn sie in ihrer Rolle nicht wie gewünscht funktionieren, wird auch schon einmal über eine Lobotomie nachgedacht. Das ist zwar literarisch hochwertig gemacht, aber ansonsten recht wenig erbaulich.

Trotz der meisterhaften Umsetzung, der wohlgewählten Worte, der durchdachten Konstruktion, des interessanten Plots will der Funke allerdings bei mir nicht überspringen. Ich habe mich zwingen müssen, das Buch zu lesen. Das mache ich eher selten, aber in diesem Falle habe ich wirklich alles daran gesetzt, einen Einstieg zu finden. Es war ein Gefühl, als würde ich in einem Museum hinter einer Glasscheibe ausgestellte Artefakte betrachten.
Nun muss ich gestehen, dass mir spanische und lateinamerikanische Literatur häufiger nicht liegt. Ob es an der Sprachmelodie liegt, an der Umsetzung, an den Themen, ich vermag es nicht zu sagen.
Wer Sittenbilder und Gesellschaftsromane mag, und sich vielleicht sogar für Spanien in der Nachkriegszeit interessiert, der sollte zumindest einen Versuch wagen.

Winter der Seele

Der weite Raum der Zeit von Jeanette Winterson

Der weite Raum der Zeit

Jeanette Winterson

Übersetzung Sabine Schwenk

erschienen 2016 im Knaus Verlag

ISBN 978-3-8135-0673-0

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„Der weite Raum der Zeit“ ist ein weiterer Band der Hogarth Shakespeare-Reihe, in der bekannte Autoren Werke von Shakespeare auf ihre ganz besondere Art nacherzählen. In diesem Falle hat sich Jeanette Winterson dem „Wintermärchen“ gewidmet.
Die 1959 in Manchester geborene Winterson bekam schon für ihr Erstlingswerk „Orangen sind nicht die einzige Frucht“ den angesehenen Whitbread-Prize. Inwischen ist sie eine weithin bekannte Feministin und Autorin, die diverse Bestseller veröffentlicht hat.

Leo, MiMi und Xeno sind bereits sehr lange befreundet. Doch urplötzlich vermutet Leo, seine hochschwangere Frau MiMi habe eine Affaire mit seinem Jugendfreund Xeno. In rasender Eifersucht versucht er Xeno zu ermorden, lässt das neugeborene Mädchen Perdita wegschaffen und verliert bei dem Versuch, das Land zu verlassen, seinen älteren Sohn Milo am Flughafen. Nachdem auch MiMi gegangen ist, bleibt Leo allein zurück.
Jahre später. Aus der kleinen Perdita ist eine junge Frau geworden, die sich durch Zufall in den Sohn Xenos verliebt. Und nach und nach lösen sie gemeinsam die Rätsel ihrer Vergangenheit.

Wintersons Interpretation bewegt sich sehr nah am Original. Im Grunde ist der Roman eine Übertragung der Geschehnisse in die heutige Zeit. Erstaunlich ist, welche Wucht diese uralte Erzählung entwickelt, wenn man das Märchenhafte vorsichtig abstreift und Sprache und Setting dabei anpasst und wie glaubhaft diese doch eigentlich völlig unglaubhafte Geschichte dadurch wird. Winterson gibt ihren Charakteren einen Unterbau, eine Herkunft, die ihre Handlungsweise erklärt und sie nutzt die Gegebenheiten, die unsere Welt heute bietet. Es ist einfach, in einer Großstadt wie Paris spurlos zu verschwinden, ein Mädchen kann im ländlichen Amerika unbemerkt vom in London weilenden Vater aufwachsen und trotzdem ist alles nur wenige Flugstunden voneinander entfernt.
Einzig der Strang um das Computerspiel mit den verlorenen Engeln ist für mich zu übertrieben, will sagen esoterisch dargestellt. Und eigentlich hätte das Buch ihn gar nicht gebraucht, denke ich, denn die Wirkung ist auch ohne herumflatternde Federn enorm.

Das Schöne an den Büchern der Hogarth-Reihe ist, dass jeder Autor einen anderen Weg wählt, Zugang zu den Werken Shakespeares zu finden. Dass jedes Buch völlig anders ist in Stil, Umsetzung und Herangehensweise. Das zeigt, wie vielseitig dieses Werk ist, aber auch, wie viele Interpretationsmöglichkeiten es gibt. „Der weite Raum der Zeit“ ist für mich eine sehr gelungene Mischung aus einem Teil Shakespeare und einem Teil Winterson. Jeanette Winterson verschwindet nicht hinter dem Meister, sie bringt ihren eigenen Stil und ihre eigenen Schwerpunkte in die Geschichte und schafft damit, nicht ganz mühelos, aber trotzdem sehr wirkungsvoll, den Spagat zwischen Alt und Neu, zwischen Gestern und Heute.

Ich danke dem Knaus Verlag sehr herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

Aschenputtel im Savoy

Das Maedchen aus dem Savoy von Hazel Gaynor

Das Mädchen aus dem Savoy

Hazel Gaynor

Übersetzung Claudia Geng

erschienen 2018 bei Blanvalet

ISBN 978-3-7341-0508-1

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Savoy, the home of sweet romance
Savoy, it wins you at a glance
Savoy, give happy feet a chance
To dance
(…)
Dieser berühmte Songtext von Irving Caesar und Vincent Youmans aus den Dreißigern könnte gut als Motto dieses Romans gelten, auch wenn der gut ein Jahrzehnt früher spielt.
Die junge Dorothy ist aus der englischen Provinz nach London gekommen, um dort die Bühnen des West Ends zu erobern. Ihr größter Traum ist es, Revuetänzerin zu werden. Eine Anstellung im glamourösesten Hotel seiner Zeit, dem Savoy, soll ihr weiter helfen. Dort steigen die Stars und Sternchen ab und die Geldgeber, die die Fäden im Hintergrund ziehen. Durch einen Zufall lernt sie den gutaussehenden Komponisten Perry Clements kennen, dessen Schwester Loretta eine der ganz großen West End-Diven ist. Die Steine kommen für Dorothy ins Rollen. Doch zuvor muss sie lernen, dass man die Vergangenheit nicht abstreifen kann wie ein zu alt gewordenes Kleid…
„Das Mädchen aus dem Savoy“ ist ein klassischer Aschenputtelroman, vermischt mit dem „Anna geht zum Ballett“-Thema und einem Hauch von „My fair Lady“. Ein junges Mädchen auf dem steinigen Weg zum Varietestern, Fee in Form von alterndem Showstar inclusive. Kein Klischee wird ausgelassen, von der Besetzungscouch über die „Sei eins mit der Musik“-Nummer bis zu der Tatsache, dass man angeblich Tanzen lernen kann, in dem man bei guten Tänzern abguckt. Ernsthaftes Training wird bei so viel überbordendem Talent scheinbar gar nicht benötigt.
Aber Märchen sind nun einmal nicht logisch oder auch nur wahrscheinlich aufgebaut – und der Roman ist genau das, ein Großstadtmärchen. Zudem ist er auch noch charmant geschrieben, mit wirklich liebenswürdigen Charakteren und trotz der immerhin 511 Seiten keineswegs langweilig. Ideal also um für einige Zeit das winterliche Grau und das Nieselwetter zu vergessen und mit Dorothy den Traum vom Rampenlicht zu träumen, die staubige Theaterluft zu atmen und den Fünf-Uhr-Tee im Savoy zu zelebrieren.
Ein Unterhaltungsroman im besten Sinne, mit der richtigen Mischung aus Glamour und Spannung.
How my heart is singin‘
While the band is swingin‘
Never tired of rompin‘
An‘ Stompin‘ with you at the Savoy
(…)
Ich danke dem Blanvalet Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.
Die im Text verwendeten Liedzeilen entstammen dem Song „Stompin‘ at the Savoy“ von Irving Caesar und Vincent Youmans.

Die ewigen Jagdgründe

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Tod in Hollywood

Evelyn Waugh

Übersetzung von Andrea Ott

erschienen 2018 im Diogenes Verlag

ISBN 978-3-257-24421-2

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Achtung, dieses Buch ist böse! Es enthält eine geballte Ladung schwarzen Humor aus der spitzen Feder Evelyn Waughs, des Meisters der treffsicheren Pointen und brillanten Formulierungen.

Waugh, der 1947 nach Amerika reiste, um Details zur Verfilmung seines wohl berühmtesten Buches „Wiedersehen in Brideshead“ zu klären, stolperte über den dort üblichen Umgang mit Toten und Beerdigungen. Das inspirierte ihn zu dem Roman „Tod in Hollywood“, wo er mit großem Vergnügen die Kuriositäten des amerikanischen Bestattungswesens unter die Lupe nimmt.

Der bislang in Amerika erfolglose britische Schriftsteller Dennis Barlow arbeitet beim Tierbestatter „Die ewigen Jagdgründe“, um finanziell über die Runden zu kommen. Dort werden mit größtem Aufwand und gemäß den Wünschen ihrer Halter die verstorbenen Lieblinge zurecht gemacht und zur letzten Ruhe gelegt. Großes Vorbild dabei sind „Die elysischen Gefilde“, das entsprechende Pendant aus der Menschenwelt, ein riesiges Gelände mit allen Schikanen, dem perfekten Tod gewidmet. Heerscharen von Meistern ihrer Kunst arbeiten an einer durchinszenierten Aufbahrungschoreographie, vom passenden letzten Gesichtsausdruck (erhaben oder amüsiert schmunzelnd, bei Kindern gerne mit strahlendem Engelslächeln), über ein aufhübschendes Makeup bis zum aufwendig bestickten Totenhemd, vom Mahagonisarg bis zum passend duftenden Blumenarrangement.
Als ein Freund Barlows sich das Leben nimmt, ein ehemals erfolgreicher Drehbuchschreiber, der die Erfolgsleiter abwärts gerutscht ist, um schlußendlich sein Büro von jemand anderem besetzt zu sehen und daraufhin den Strick zu wählen, wird dem jungen Mann die Aufgabe übertragen, sich um die entsprechenden Bestattungsmodalitäten zu kümmern. So kommt er in Kontakt mit der liebreizenden Aimée Thanatogenos, einer Makeup-Artistin in den Diensten der „Elysischen Gefilde“ und…

Nun ja, ich möchte nicht zuviel verraten. Nur so viel: dem verstorbenen Freund Barlows dürfte im Leben nicht halb soviel Aufmerksamkeit zuteil geworden sein wie nach seinem Ableben. Und Evelyn Waugh scheint kein Freund amerikanischer Geflogenheiten gewesen zu sein. Selten schreibt er so bitterböse, lässt er an seinen Protagonisten so wenig gute Haare. Waugh wäre aber nicht Waugh, wenn er nicht trotzdem herrlich amüsante Stellen eingebaut hätte, wenn er nicht Witziges im Geschäft mit dem Tod entdeckt und den Finger darauf gelegt hätte, wenn es nicht ein paar entzückend skurrile und überspitzt dargestellte Charaktere gäbe, die einen böse kichernd zurücklassen.

Ich persönlich liebe die Romane Waughs sehr und ich hoffe, dass dieser Autor, dessen Bücher kein bißchen eingestaubt sind, dessen Sprache auch nach Jahrzehnten noch frisch und spritzig geblieben ist, dass dieser Autor noch lange, lange Zeit seine Leser finden wird.

Ich danke dem Diogenes Verlag sehr herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.