Paris – Eine Kulturgeschichte

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Paris – Lichte Straßen im Abglanz der Zeiten

Markus Spiegelhalder

erschienen 2016 im Provinz Verlag

ISBN 978-88-99444-08-2

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Mit „Paris – Lichte Straßen im Abglanz der Zeiten“ legt Markus Spiegelhalder ein Buch über die Geschichte und Entwicklung von Frankreichs Hauptstadt vor. Vom römischen Lutetia bis zu den Haussmannschen Boulevards, erklärt er die Gründe für Auf- und Umbauten, zeigt er, wie sich Paris scheinbar von innen heraus vergrößert hat. Hilfreich sind dabei die jedem Kapitel vorangestellten Karten, anhand derer man Veränderungen, Stadtgrenzen, markante Gebäude der jeweiligen Epoche sofort erkennen kann. Der Leser erfährt allerhand über die Verknüpfung von Herrscherhaus und Prestigebauten, über Einflüsse durch Kunst und Zeitgeist, über der technischen Entwicklung geschuldete Veränderungen im Stadtbild.

Mit Hilfe der Karten und der Informationen in den einzelnen Kapiteln wäre es wahrscheinlich sogar möglich, sich die Geschichte von Paris zu „erwandern“, sich die markanten Gebäude oder ihre ehemaligen Standorte gezielt den Epochen zugeordnet anzusehen. Das ist zwar zeitraubend, dürfte aber ein äußerst spannendes Unterfangen sein. Auf jeden Fall ist dieses Buch jedoch eine hervorragende Vorbereitung für jeden Parisreisenden, der sich neben den Daten seines Baedeckers einen umfassenden Rundumblick verschaffen möchte.

Zwei Punkte, die mir nicht so gut gefallen haben, möchte ich trotz meiner grundsätzlichen Begeisterung nicht verschweigen: des Autors Schreibstil und die Bildauswahl.  Für ein Buch dieser Art hätte ich mir einen weniger verschnörkelten Stil gewünscht, etwas geradliniger und ohne Bandwurmsätze. Andererseits ist die Begeisterung des Autors für sein Thema mehr als deutlich zu spüren und macht die teilweise etwas antiquierte Wortwahl dadurch wieder wett.

Die Bildauswahl dagegen ist leider zur Gänze mißlungen. Wünschenswert wären Bilder gewesen, die, ähnlich wie die wunderbaren Karten, den Kapitelinhalt unterstützen. Stattdessen haben wir touristische Schnappschüsse zweifelhafter Qualität. Das ist äußerst schade, wären doch passende Bilder eine echte Bereicherung und begleitende Informationsquelle gewesen.

Aber davon sollte sich kein Parisreisender abschrecken lassen. Lesenswert ist Spiegelhalders Kulturgeschichte definitiv. Und nach einem Besuch dieser wunderbaren Stadt hat sicher auch jeder die passenden Bilder im Kopf.

Ich danke dem Autor Markus Spiegelhalder für das Leseexemplar.

Meister der Novelle

9783423143479

Katz und Maus

Günter Grass

bei dtv erschienen im September 1993

ISBN 978-3-423-14347-9

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Wer meinen Blog verfolgt, hat ja eventuell schon meine Rezension zu Grass‘ „Hundejahre“ gelesen. Dort habe ich geschrieben, dass ich mich mit der ausufernden, männlich protzenden Schreibweise nicht anfreunden konnte. In „Katz und Maus“ nun erweist Grass sich als Meister der schlanken und punktgenauen Formulierung, als Meister der Novelle.

Erzählt wird von den Jugendjahren eines Joachim Mahlke im Danzig des 2. Weltkriegs. Mahlke, ein eher sonderbarer Einzelgänger, dessen Schwimmkünsten und Schwanzlänge seine Klassenkameraden eine eher unfreiwillige Bewunderung entgegen bringen, ringt um Aufmerksamkeit und Anerkennung. Dabei steigert er sich in einen religiösen Marienwahn und erhofft sich von der Erlangung des Ritterkreuzes eine Art Erlösung.

Die Art, wie Grass den verzweifelten Jüngling und seine Umgebung portraitiert, wie er eine Bande pubertierender Jungs dem Ernst des Lebens gegenüber stellt, wie er insgesamt trotz Kürze der Form seine Charaktere ausformuliert, ist, ich schrieb es schon, meisterhaft. Kein Wort zu wenig, keins zuviel und trotzdem unverkennbar Grass.

„Wenn Mahlke in Brustlage schwamm, tanzte ihm der Schraubenzieher deutlich, denn das Ding hatte einen Holzgriff, zwischen den Schulterblättern. Schwamm Mahlke auf dem Rücken, torkelte der Holzgriff auf seiner Brust, verdeckte aber nie vollkommen jenen fatalen Knorpel zwischen Kinnlade und Schlüsselbein, der als Rückenflosse ausgefahren blieb und eine Kielspur riß.“

Wortspiele, bildhafte Sprache, Bandwurmsätze, Anspielungen und Verknüpfungen zur „Blechtrommel“, das gesamte Grass’sche Programm wird aufgefahren, aber eben in gekürzter, gestraffter Form. Und in der Essenz zeigt sich, was für ein phantastischer Schriftsteller er war, selbst für einen Literaturlaien wie mich. Ich hätte mir mehr davon auch für die „Hundejahre“ gewünscht, mehr Straffung, mehr Zuspitzung und ja, mehr Mut zum reinen Erzählen. In dieser Novelle hatte er das alles, und erschafft mit Mahlke einen modernen Ritter von der traurigen Gestalt.