Krimi-Klamauk

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Tod in Deauville

James Holin

erschienen 2017 im Dryas Verlag

ISBN 978-3-940258-79-3

bestellbar hier

 

Mit „Tod in Deauville“ legt James Holin seinen ersten Normandie-Krimi vor. Laut Klappentext schreibt der Autor seit 15 Jahren Bücher. Sucht man danach im Internet findet man aber nicht mehr als zwei Romane plus ein paar Novellen. Nun gut. Gehen wir trotzdem davon aus, daß der Mann erfahrener Schriftsteller ist. Dann ist dieses Buch und die Art, wie es geschrieben ist, umso unverständlicher.

Aber fangen wir vorne an: mit dem Inhalt. Im Museum für zeitgenössische Kunst in Deauville ist eine Buchprüfung anberaumt. Zwei Beamte des französischen Rechnungshofs, der etwas verknöcherte Jean-Francois Lacroix und die elegante Eglantine de Tournevire, reisen eigens dafür an. Während einer Vernissage bricht der Buchhalter des Museums tot zusammen. Gemeinsam mit dem charmanten Kommissar Serano beginnen die beiden Beamten zu ermitteln.

Das ist soweit ein typischer Krimi-Plot, der einen auch einen typischen Krimi erwarten lässt. Ein bißchen Ermittlung, ein bißchen Knistern zwischen Eglantine und Serrano und viel Lokalkolorit, das eben, was solche Regionalkrimis ausmacht.

Der Autor nun hat scheinbar anderes im Sinn. Oder konnte sich nicht entscheiden, wonach ihm der Sinn steht. Teile des Buches geraten eher wie eine Gesellschaftskritik bzw. Kritik am französischen Beamtentum, andere Teile wiederum sind slapstickartig überzogen. Das betrifft häufig Szenen mit Lacroix, der wie eine übertriebene Louis de Funés-Parodie des Wegs kommt. Dann wieder überraschen Sadomaso-Szenen, die in der an sich gediegenen Atmosphäre eher unpassend wirken, gepaart mit ellenlangen Teilen, wo einfach gar nichts passiert. Mir fehlt ganz eindeutig ein roter Faden. Die Ermittlungen scheinen dem Autor nur dazu zu dienen, seine anderen ihm wichtigen Themen unterzubringen und geraten häufig genug völlig in den Hintergrund.

Als wäre das nicht genug, ist auch der Schreibstil Holins eher gewöhnungsbedürftig. Weite Teile des Buches sind holprig zu lesen, in den Dialogen scheinen Bemerkungen nicht zueinander zu passen und die Personen betiteln einander recht häufig mit offensichtlich witzig gemeinten Schimpfwörtern. Überhaupt ist der Humor von einer Sorte, der bei mir hochgezogene Augenbrauen hervorruft, aber kein Schmunzeln. Ob das auch an der Übersetzung liegt, kann ich nicht beurteilen, vermute es allerdings. Etwas glättende Überarbeitung hätte dem Text gut getan.

Um nun wenigstens positiv zu enden, möchte ich feststellen, dass mir das Cover des Buches sehr gut gefällt. Ein altes Casino direkt an einer Seepromenade, mit Blaufilter etwas düsterer gemacht. Das hätte tatsächlich gut zu einem klassischen Krimi gepasst. Auch das Bild der mit Namen vergangener Stars versehenen Badekabineneingänge am Strand von Deauville an den Kapitelanfängen verbreitet französisches Flair und ist eine sehr stimmige Gestaltungsidee. So nun verhelfen Cover und Badekabinen dem Buch zu einem zweiten Sternchen.

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